Eine Frau steht vor einem Café in Athen. (AP)

Nach sechs Monaten öffnen in Griechenland endlich wieder Restaurants, Bistros und Cafés - aber nur im Außenbereich und ohne Musik. Doch die Angst vor einer zweiten Welle und dem finanziellen Ruin ist groß.

Apostolis Yannopoulos wuselt aufgeregt zwischen den Tischen hin und her. Endlich ist es so weit: Nach sechs Monaten Lockdown darf der Athener sein Café wieder öffnen – zumindest seinen Außenbereich. "Das erste und vorherrschende Gefühl ist, dass wir heute Morgen aufgewacht sind und endlich zu etwas wie einer normalen täglichen Routine übergehen können, dass wir arbeiten gehen können und uns finanziell erholen können", so der Gastronom.

Die vergangenen Monate waren hart für Griechenlands Gastwirte. Viele haben versucht, sich mit Lieferdiensten über Wasser zu halten. Außerdem gab es staatliche Hilfen, doch Gastronomie-Verbände und Gewerkschaften kritisieren, dass diese zu niedrig seien. Laut einer Umfrage der Gewerkschaft GSEVEE von Ende April haben mehr als 44 Prozent der Betriebe keinerlei Rücklagen mehr.

Schrittweise zur Normalität zurückkehren

Die Öffnung der Gastronomie ist deshalb für viele Betriebe überlebensnotwendig. Doch so ganz wohl ist Café-Besitzer Apostolis Yannopoulos dabei nicht: "Es ist klar, dass wir nur öffnen dürfen, weil in ein paar Tagen offiziell die Touristen-Saison beginnt. Es macht aber eigentlich keinen Sinn, dass wir schließen mussten, als wir 300 Neuansteckungen pro Tag hatten und jetzt, mit 3000 neuen Fällen täglich, wieder öffnen dürfen."

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Der aktuelle Sieben-Tage-Inzidenz in Griechenland liegt bei 127, Tendenz fallend. Aber wie werden sich die Öffnung der Gastronomie und der Tourismus auf das Infektionsgeschehen auswirken? Der zuständige Minister Ádonis Georgiadis gibt sich vorsichtig optimistisch: "Das Virus ist immer noch da, deshalb müssen wir uns alle bemühen, die Sicherheitsmaßnahmen einzuhalten. Aber wir sind auch optimistisch, dass wir schrittweise zur Normalität zurückkehren und alles besser wird."

Maskenpflicht und keine Musik

Zu diesen Maßnahmen gehört, dass das Personal in den Gastronomiebetrieben zwei Mal pro Woche einen negativen Corona-Schnelltest vorweisen muss. Außerdem besteht für alle Mitarbeiter Maskenpflicht. Und: Die Ausgangssperre bleibt vorerst bestehen. Zwar ist diese mittlerweile von 22 auf 23 Uhr nach hinten verlegt worden. Für Tavernen und Bars heißt das aber, dass sie spätestens um 22.45 Uhr schließen müssen. Restaurants und Bars dürfen zudem weder Live- noch Lautsprechermusik spielen.

Beides ist sehr ungewöhnlich für griechische Verhältnisse, aber besser als nichts, findet Aposolis Yannopoulos. Doch richtige Hochstimmung will trotzdem noch nicht aufkommen. "Es gibt große Unsicherheit, ich kann keine Pläne machen. Von den vergangenen zwölf Monaten waren wir achteinhalb Monate geschlossen.  Was für Pläne soll ich da machen? Das sage ich auch meinen Angestellten: Ich weiß nicht, was ich Euch sagen soll, wir nehmen erstmal jeden Tag, wie es kommt, dann sehen wir weiter", sagt der Café-Betreiber.

Dank Kurzarbeit musste er bislang niemanden entlassen. Doch im Sommer werden die Maßnahmen zur Kurzarbeit voraussichtlich auslaufen. Apostolis hofft, dass er bis dahin stabile Einnahmen hat und jeder seinen Job behalten kann.

Sendung: hr-iNFO Aktuell, 05.05.2021, 9 bis 12 Uhr

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