Sujetbild: Ein schwarzer Mann hält mit Gold zersetze Erde in seinen Händen.

In Kenia arbeiten rund 40.000 Menschen im Gold-Kleinbergbau. Sie arbeiten mit einfachsten Werkzeugen, um ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Immer wieder gibt es Tote, weil die Stollen einbrechen. Aber die Alternativen fehlen.

Etwa 20 Meter unter der Erde zwängt sich John Serama durch einen leicht abschüssigen Erdtunnel. Hier unten ist es heiß und dunkel, nur Seremas Taschenlampe gibt etwas Licht. Der 30-Jährige ist auf dem Weg zu seinem Arbeitsplatz: dem Fels am Ende des Stollens. "Das hier ist wertloses Material. Das müssen wir erst abräumen, ehe wir auf goldhaltige Schichten stoßen", erklärt er. Ein Knochenjob.

In der Enge kann Serema mit dem Werkzeug kaum ausholen. Seine Kollegen, die über Tage auf den Schichtwechsel warten, haben immerhin ein Gebläse angemacht, eine Art großen Fön, und leiten Luft in den Stollen, damit die Arbeiter unten etwas besser atmen können. Zwei Stunden lang muss Serema durchhalten, dann klettert er wieder nach oben. 

Serama arbeitet im Goldgürtel im Südwesten Kenias, in der Region Migori. Hier wird buchstäblich überall gebuddelt, geschürft und gewaschen – ohne dass jemand den Bergbau reguliert. Schon am Vormittag dröhnt Musik aus etlichen Boxen, als gäbe es etwas zu feiern. Und in der Luft hängt der Geruch von Alkohol.

Mit Alkohol und Drogen gegen die Angst

Auch Serema hat eine deutlich wahrnehmbare Fahne. Er erzählt, dass er jedes Mal etwas trinkt, bevor er in die Goldgrube steigt. "Aus Angst. Deshalb benutzten wir hier Alkohol und den Rest." Mit dem "Rest" meint er Marihuana und was der Markt an Drogen sonst noch so hergibt.

Die Angst des Familienvaters ist verständlich: Er arbeitet erst seit einem Jahr als Schürfer, hat aber in den Minen schon fünf Menschen sterben sehen. Dass er selbst davonkam, ist reines Glück. "Beim ersten Unfall stürzte der Stollen ein. Wir waren mit zehn Leuten unten. Zwei waren auf der Stelle tot, einer starb auf dem Weg ins Krankenhaus. Bei einem anderen Unfall gab es ein Problem mit der Verkabelung der Wasserpumpe, die wir unter Tage nutzten. Das Wasser wurde elektrisch geladen, zwei Menschen waren sofort tot", erzählt er. 

 Die Alternativen fehlen

Trotz der Gefahren steigt Serama immer wieder hinunter in den engen Stollen. Der einfache Grund: Er hat keine Alternative. "Also muss ich weitermachen." Dabei hat er sogar studiert: Kriminologie und Strafjustiz. Aber nach dem Abschluss fand er keinen Job.

In Kenia sei es üblich, dass Bewerberinnen und Bewerber Schmiergeld zahlen, um eine Stelle zu kriegen. Geld, das Serema nicht hatte. Um überhaupt etwas zu verdienen, arbeitete er als Hilfslehrer an einem Gymnasium, für umgerechnet 25 Euro im Monat. Als Goldgräber verdient er im Durchschnitt monatlich 250 Euro. Davon kann er seine Familie so einigermaßen ernähren.

 Quecksilber zieht das Gold zusammen

Gefährlich ist auch die Arbeit von Pascal Ouma Okello. Der 37-Jährige sitzt vor einer Metallschüssel, mit der bloßen Hand rührt er durch schlammiges Wasser. Der Schlamm ist das Gestein aus dem Stollen, mittlerweile von anderen Arbeiterinnen und Arbeitern zu Sand und Staub zermahlen.

In den Schlamm ist Quecksilber gemischt. Es bindet das Gold, zieht es also gleichsam aus Sand und Staub zu mehr oder weniger großen Klumpen zusammen. Das Problem daran: Quecksilber ist den Menschen und die Umwelt hoch giftig. "Ja, davon haben wir gehört. Aber wir machen das so, weil das die überlieferte Methode im traditionellen Bergbau ist", sagt Okello.

Das Abwasser sammelt er in einem flachen Betonbecken. Er versichert zunächst, er würde es immer wieder benutzen. Schließlich räumt er ein, dass er die quecksilberhaltige Brühe irgendwann doch in die Natur kippt und frisches Wasser benutzt. Dass er weiter macht, obwohl ihm die Gefahren bewusst sind, erklärt er so ähnlich wie Serema: Anderswo kann er nicht genug Geld für sich und seine Familie verdienen.

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