Moria

Gut 1.500 Geflüchtete dürfen von Griechenland nach Deutschland kommen - das hat die Bundesregierung beschlossen. Doch anders als viele jetzt denken, kommen diese Menschen nicht aus dem Flüchtlingslager Moria.

Mehr als 1.500 Geflüchtete – so viele will Deutschland jetzt aus Griechenland aufnehmen, das ist nach dem Brand im Flüchtlingslager Moria auf der Insel Lesbos beschlossene Sache. Und da liegt der Gedanke nah, dass die Geflüchteten, die jetzt kommen dürfen, auch aus Moria sind. Aber so ist es dann doch nicht.

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Frau und Kind laufen durch das ausgebrannte Lager in Moria
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Nach Deutschland ausreisen dürfen nämlich nur die, die schon eine gültige Asylberechtigung haben. Und das betrifft nicht die obdachlos gewordenen Geflüchteten aus Moria. Sie müssen teilweise monatelang auf einen Termin bei der Asylbehörde warten und weiter in überfüllten Camps ausharren. Hinzu kommt, dass die griechische Regierung keinen einzigen Geflüchteten aus Moria ziehen lassen wird.

Sie befürchtet, auch in den anderen Flüchtlingscamps etwa auf den Inseln Samos oder Kos könnten verzweifelte oder radikalisierte Lagerbewohner Feuer legen, wenn das Beispiel Moria Schule machen würde. Und so werden die Geflüchteten, die jetzt von Griechenland nach Deutschland kommen sollen, vor allem vom griechischen Festland sein.

Rein in die Obdachlosigkeit

Rund 100.000 sollen dort nach letzten Schätzungen leben, viele von ihnen in der Hauptstadt Athen. All diese Menschen zu versorgen, damit ist das Land aber überfordert. Natürlich gibt es auch in Griechenland Hilfsprogramme für Geflüchtete, zum Beispiel vom Flüchtlingswerk der Vereinten Nationen – aber da ist der Bedarf größer als das Angebot.

Und so heißt es für viele der Geflüchteten mit Asylberechtigung zwar raus aus den Camps, aber rein in die Obdachlosigkeit. Wer Asyl hat, darf zwar Sozialleistungen beantragen, einen Job und eine Wohnung suchen. Doch weil die meisten kein Griechisch sprechen, sie nicht genügend Geld für eine Wohnung haben und Jobs in Griechenland rar sind, klappt das eben in den meisten Fällen nicht.

Sendung: hr-iNFO Aktuell, 16.09.2020, 15 bis 18 Uhr

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