Streng religiöse Juden möchten in Bussen nicht neben Frauen sitzen. Gesetzlich ist eine solche Geschlechtertrennung in Israel zwar verboten, diskriminierende Vorfälle gibt es trotzdem immer wieder. In Jerusalem hat eine Frau deshalb nun ein Busunternehmen verklagt.

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Nur Bar-On wollte mit dem Bus der Linie 402 von Jerusalem in den Tel Aviver Vorort Bnei Brak fahren. Doch der Fahrer ließ sie nicht einsteigen, erzählte die Frau im Interview mit dem Israel Radio. "Der Fahrer sagte, es sei nur Platz für zwölf Männer, weil die Männer nur bereit seien mitzufahren, wenn Geschlechtertrennung im Bus gelte. Der Fahrer stellte sich auf die Treppe, versperrte mir den Zugang und zog nur Männer in den Bus. Er war sehr aktiv und übernahm ganz klar die Funktion, die Geschlechtertrennung in seinem Bus durchzusetzen."

Streng religiöse jüdische Männer weigern sich häufig im Bus neben Frauen zu sitzen, verweisen auf Regeln ihres Glaubens. Der Bus, mit dem Bar-On fahren wollte, war auf dem Weg nach Bnei Brak, einer der größten ultraorthodoxen Gemeinden Israels. Bar-On nimmt diese Linie regelmäßig und sie hatte bei der Platzwahl schon häufiger Probleme mit streng-religiösen männlichen Fahrgästen.

Auf 12.000 Euro Schmerzensgeld verklagt

"Zuerst versuchen sie mir noch höflich zu erklären, dass Frauen in diesem Bus hinten zu sitzen haben, da das zu ihrer Rolle der Bescheidenheit gehöre. Wenn ich sage, dass ich das gar nicht einsehe, beginnen sie mich zu beschimpfen: 'du Bescheuerte', 'du Bekloppte', 'kleines Mädchen'", erzählt Bar-On. Dass der Busfahrer aber aktiv zur Geschlechtertrennung beiträgt, hatte sie vorher noch nicht erlebt.

Bar-On fordert vom Busunternehmen Egged nun umgerechnet rund 12.000 Euro Schmerzensgeld und wird von der Anwältin Meital Arbel vertreten, die für eine Organisation arbeitet, die sich gegen religiöse Diskriminierung einsetzt. "In den vergangenen Monaten sind bei uns immer mehr Beschwerden über Schilder in den Bussen eingegangen, auf denen Frauen dazu aufgefordert werden, hinten zu sitzen", berichtet die Anwältin. "Diese Schilder sind nicht von der Firma Egged angebracht worden, sondern von Außenstehenden. Auf einigen Schildern steht sogar, Frauen würden sich strafbar machen, wenn sie nicht hinten sitzen."

 Erzwungene Trennung ist gesetzeswidrig

Geschlechtertrennung ist in Israel verboten. Das oberste Gericht des Landes entschied schon vor Jahren: Eine erzwungene Trennung nach Mann und Frau in Bussen ist gesetzeswidrig. Wenn sich die Frauen freiwillig nach hinten setzen, ist das aus Sicht des Gerichtes zulässig. Gerade in Bussen mit vielen ultraorthodoxen Fahrgästen ist die Geschlechtertrennung häufig zu beobachten.

Das räumte im Interview mit dem Israel-Radio nun auch Amir Keinan ein. Er ist Direktor der Busfirma Egged, um die es im aktuellen Fall von Nur Bar-On geht. Natürlich sei Geschlechtertrennung in den Bussen untersagt, erklärt Keinan. Aber: "Ich muss klar sagen, dass es diese Vorfälle gibt. Allerdings seltener als in den vergangenen Jahren. Wir sind auf einem guten Weg."

 "Es macht mich wütend"

Die Geschlechtertrennung ist auch Teil eines grundsätzlichen Richtungsstreits innerhalb der israelischen Gesellschaft. Zwei streng-religiöse Parteien sind an der Regierung beteiligt und versuchen, die Überzeugungen ihrer Wählerschaft politisch durchzusetzen. Die Forderung, das Verbot der Geschlechtertrennung wieder aufzuheben, war auch Teil der letzten Koalitionsverhandlungen. Weil diese scheiterten und es zu Neuwahlen kommt, blieb es bislang aber nur bei der Forderung der streng Religiösen.

Bar-On fühlt sich durch die ultraorthodoxen Männer diskriminiert. "Es macht mich wütend und es ist sehr beleidigend. Denn Frauen im Allgemeinen und ich im Besonderen werden zum sexuellen Objekt gemacht, das es von der Öffentlichkeit fernzuhalten gilt. Und genau das ist sehr beleidigend", sagt sie. Juristisch ist Bar-On im Recht. Doch wenn sie jede Diskriminierung im Alltag ausschließen will, muss sie auf die Fahrt in Bussen mit vielen ultra-orthodoxen Männern wohl verzichten.

Sendung: hr-iNFO Aktuell, 12.07.2019, 12-15 Uhr

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