Apotheken-Logo, im Hintergrund Medikamente.

Online-Apotheken im Ausland dürfen – anders als die Händler vor Ort – Rabatte auf Medikamente anbieten. Um den Wettbewerb fairer zu machen, hat der Bundestag ein entsprechendes Gesetz auf den Weg gebracht. Wie stark wirkt sich die Konkurrenz aus dem Netz auf Apotheken in Hessen aus?

In der Frankfurter Grüneburg-Apotheke lassen sich Kundinnen und Kunden vom Fachpersonal beraten. Rezepte werden eingelöst, Mittelchen gegen Beschwerden eingekauft und nach der besten Form der Behandlung gefragt. Und das schon seit 1892. Deshalb kommen viele Menschen hierher statt ihre Medikamente in der günstigeren Online-Apotheke zu bestellen.

Damit diese und viele andere Apotheken in Deutschland wettbewerbsfähig bleiben können, dafür soll das Gesetz zur Stärkung der Vor-Ort-Apotheken sorgen. Im Internet lassen sich Kopfschmerztabletten, Wundsalben und Verbände teilweise zu Preisen finden, mit denen die niedergelassenen Apotheken nicht mithalten können.

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Apothekerin Erika Fink fürchtet die Konkurrenz aus dem Netz aber trotzdem nicht. Die ehemalige Präsidentin der Bundesapothekerkammer weiß, was Kundinnen und Kunden an Vor-Ort-Apotheken schätzen: "In der Apotheke müssen wir, neben der Ware, natürlich auch Problemlösungen anbieten können. Und der Kommissionier-Automat im Versandhandel wird das eher nicht können."

Es werde übersehen, dass Apotheken noch andere Leistungen anbieten, rund um die Rezepte herum. Außerdem würden viele Menschen immer wieder eine Beratung brauchen: "Entweder zu ihrem Arzneimittel oder sie kommen in eine Notlage, die es dringend erforderlich macht, dass man mal einen Apotheker aufsucht." Deshalb macht sich Fink über die Zukunft der Apotheken auch nur bedingt sorgen: "Ich denke, dass die guten Apotheken überleben werden. Ich denke aber auch, dass sich die Zahl der Apotheken verringern wird. Deutlich."

Elektronisches Rezept

Und es lauern noch weitere Herausforderungen: Beispielsweise soll das E-Rezept im nächsten Jahr kommen, also ein elektronisches Rezept, das von Ärztinnen und Ärzten auf die Gesundheitskarte oder auf eine App geladen wird. Technisch ist die Grüneburg-Apotheke darauf vorbereitet. Aber für viele Patientinnen und Patienten bedeutet das eine Umstellung. Und gerade deshalb sieht Apothekerin Erika Fink Neuerungen wie das E-Rezept eher kritisch. "Für die Patienten bedeutet das, dass sie vom Arzt kein Rezept mehr in die Hand gedrückt bekommen. Es kann sein, dass ältere Leute mit der ganzen Geschichte nicht zurechtkommen."

Bis das E-Rezept eingeführt wird und überall funktioniert, kann es aber noch eine Zeit dauern, sagt Fink. Dafür bräuchte es erst einmal ein flächendeckendes Internet - auch und gerade auf dem Land. Und selbst wenn es kommt, da ist sich Fink sicher, werden zukünftig nicht alle Patientinnen und Patienten ihre E-Rezepte in Online-Apotheken einlösen, sondern weiterhin das Angebot der Vor-Ort-Apotheke nutzen.

Sendung: hr-iNFO Aktuell, 29.10.2020, 9 bis 12 Uhr

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