Verlassene Puppe
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Tausende Kinder in Deutschland werden Opfer von Gewalt. Die polizeiliche Kiminalstatistik ist erschreckend. Wie kann die Antwort darauf aussehen?

Stellen sie sich mal folgendes vor: Die offizielle Kriminalstatistik vermeldet, dass die komplette Bevölkerung des Saarlands als Kind körperlich missbraucht wurde. Knapp eine Million Menschen. Was gäbe das für einen Aufschrei? Heute gab es keinen Aufschrei, als die Zahlen der kindlichen Gewaltopfer vorgestellt wurden. Es war auch keine Million – diese Zahl ist eine Dunkelziffer, die Experten für eine längere Zeitspanne errechnet haben.

Aber auch die offiziellen Hellfeld-Zahlen, also die, die polizeilich erfasst sind, sind furchtbar genug für einen Aufschrei. 143 Kinder starben im vergangenen Jahr durch Gewalt, mehr als 4.200 wurden körperlich misshandelt, mehr als 13.500 sexuell missbraucht. Nun gibt es nicht die eine Antwort auf all diese Fälle – dazu sind sie zu verschieden. Das Täter-Spektrum reicht von überforderten Eltern bis zu Pädophilen, denen das Internet immer mehr Möglichkeiten bietet, sich an wildfremde Kinder heranzumachen.

Politischer und persönlicher Wille

Aber ein paar Dinge sollten wir als Konsequenz aus diesen Zahlen einfordern: Jeder einzelne von uns muss wachsamer sein, nicht wegschauen. Wir sollten die Internet-Konzerne in Deutschland in die Pflicht nehmen, damit sie – wie in den USA – Kinderpornographie-Verdachtsfälle melden müssen. Und wir sollten sicherstellen, dass die zuständigen Behörden von Jugendämtern bis BKA nicht völlig überfordert sind mit zu vielen Fällen und zu wenigen Mitarbeitern.

Sicher, das wird etwas kosten: Geld natürlich, und politischen und persönlichen Willen. Aber das sollte es uns wert sein. Denn wie hat ein Experte heute ganz richtig gesagt: Hinter jeder dieser nackten, kalten Zahlen in der Statistik steckt die riesengroße Angst und Verzweiflung eines Kindes.

Sendung: hr-iNFO, 05.06.2018, 15.35 Uhr

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