Ein Haufen Plastikmüll
Bild © picture-alliance/dpa

Egal ob Kleidung, Kosmetik oder Druckfarben: Sie alle bestehen zum Teil aus Kunststoffen und damit bislang auch aus chemisch umgewandeltem Erdöl. Die Suche nach Alternativen läuft - auch auf der Achema, der weltgrößten Messe der Prozessindustrie.

Johann Zimmermann ist Geschäftsführer einer Firma in Österreich, die Kunststoff aus nachwachsenden Rohstoffen herstellt, zum Beispiel für Frischhaltebeutel oder Flaschen. "Je genauer man hinschaut, desto mehr merkt man, man kann aus nachwachsenden Rohstoffen, aus Zucker, aus Stärke, aus Milchsäure und aus Abfällen Kunststoffe machen“, sagt Zimmermann. In seinem Fall sind die Kunststoffe nicht nur mithilfe nachwachsender Rohstoffe produziert, sondern sind – unter entsprechenden Bedingungen – sogar biologisch abbaubar. Dabei gebe es keine Abstriche bei der Produktqualität.

In der Herstellung ist dieser Kunststoff jedoch aufwändig, räumt Zimmermann ein: "Ich muss die Pflanze sehen, ich muss sie ernten und dann muss ich die einzelnen Rohstoffe rausholen. Dann bin ich bei dem Rohstoff, mit dem ich anfange, zu polymerisieren. Die chemische Industrie nimmt gleich das Erdöl, das Erdgas, und fängt an zu polymerisieren. Das heißt, wir haben davor relativ viele Schritte, die kostenintensiv sind.“ Nicht zuletzt wegen des höheren Preises fristen biologisch abbaubare Kunststoffe bislang eher ein Nischendasein in der Plastikindustrie.

Das Problem der Nachhaltigkeit

Das bestätigt auch Ingo Sartorius von PlasticsEurope e.V., dem Verband der Kunststofferzeuger in Deutschland. Auch Kunststoffe, die nur biobasiert aber nicht abbaubar sind, sieht er noch skeptisch: "Gerade in den technischen Bereichen sind die Anforderungen nochmal ganz andere Herausforderungen." Herausforderungen, denen biobasierter Kunststoff bislang nicht immer gerecht werde. Wird der Werkstoff etwa im Kraftstofftank von Autos eingesetzt, muss er besonders beständig, haltbar und robust sein. Um das zu gewährleisten, werden biobasierte Kunststoffe bislang – wenn überhaupt – gemischt verwendet.

Martin Möller vom Öko-Institut in Freiburg kritisiert außerdem: "Die Rohstoffe, die für diese biobasierten Kunststoffe zum Einsatz kommen, wie zum Beispiel Mais, sind heiß begehrte Rohstoffe. Also mit anderen Worten: Es gibt da Nutzungskonkurrenzen. Das heißt, dieser Rohstoff ist knapp und möglicherweise wird es schwierig, sämtliche Kunststoffe auf diese Weise herzustellen, weil das wäre dann auch wieder nicht nachhaltig." Forscher suchen deshalb nach Stoffen, die in ausreichender Menge vorhanden sind: z.B. Algen oder CO2. Als Beispiel dafür verweist Ingo Sartorius auf Matratzen, für deren Schaumstoff Kohlenstoff verwendet wird.

Die Verantwortlichen vernetzen

Interessant ist hier, dass der Kohlenstoff aus dem CO2 in der Luft verwendet wird, und hier die Alkoholkomponente aus dem Kunststoff herzustellen. Und so hat man schon mal einen Anteil, der nicht fossilbasiert ist, sondern aus der Luft stammt. Zwar gebe es diese Matratzen schon zu kaufen, doch noch befinde sich dieses Verfahren in den Kinderschuhen. Schon jetzt gelte es aber, sich zwischen den Verantwortlichen in allen Bereichen der Plastikproduktion auszutauschen und zu vernetzen.

Auch Martin Möller vom Öko-Institut weist darauf hin, dass nur ein Mix an verschiedenen Lösungen zielführend ist: "Wir brauchen trotz der guten Entsorgungs- und Abfallinfrastruktur, die wir in Deutschland haben, noch mehr Anstrengungen und jenseits des Recyclings müssen wir erreichen, dass deutlich mehr Wiederverwendung stattfindet und teilweise auch der Verzicht notwendig ist".

Sendung: hr-iNFO, 11.6.2018, 20:15 Uhr

Jetzt im Programm