Ein griechisch-orthodoxer Priester vor einem Kreuz.

So manche Griechen werden heute in Oster-Stimmung kommen. Denn genau heute, 40 Tage nach dem eigentlichen griechisch-orthodoxen Osterfest, holen die Kirchengemeinden in Griechenland den Gottesdienst nach.

Endlich läuten sie wieder, die Glocken der Kirchen in Griechenland. Zum eigentlichen Osterfest war das noch verboten. Nichts sollte damals im April die Gläubigen während der Ausgangssperre vor die Tür locken. Aber der heutige Dienstag ist genau der richtige Tag, um die Auferstehungsmesse der Osternacht nachzufeiern, sagt der Vikar der Sankt-Antonios-Gemeinde von Athen, Theologos Alexandrakis.

Gottesdienste im Ausnahmezustand

Denn heute endet die 40-tägige Auferstehungszeit. "Wir singen die gleichen Lieder wie in der Auferstehungsmesse in der Nacht zu Ostern. Wir feiern damit die Vollendung der Präsenz unseres Herrn auf Erden, wir feiern seine Auferstehung und wir erwarten den Tag seiner Himmelfahrt", so Alexandrakis.

Der Oster-Gottesdienst Ende Mai – nicht nur das Datum ist ungewöhnlich. Wegen der Corona-Gefahr dürfen Kirchen nicht voll besetzt sein, die Gottesdienste werden deshalb per Lautsprecher nach draußen übertragen, wo sich die Gläubigen in eineinhalb Meter Abstand aufstellen müssen. Und die Nachbarn der Kirchen werden gleich mitbeschallt, mancherorts bis tief in die Nacht. Im Athener Vorort Psychikó beginnt der Ostergottesdienst heute Abend um 22 Uhr – und soll vier Stunden dauern, bis 2 Uhr morgens.

Streit um die Heilige Kommunion

Den Gläubigen ist es recht. Sie mussten neun Sonntage lang auf Gottesdienste in ihren Kirchen verzichten. Als die Glocken dann endlich wieder läuteten, am Sonntag vor einer Woche, war das für manche wie eine Erlösung. Endlich durften sie wieder zur Kirche und die Heilige Kommunion emfpangen. Um die gab es aber viel Streit.

In der griechisch-orthodoxen Kirche empfangen die Gläubigen einer Gemeinde die heilige Kommunion alle mit demselben Löffel. Der Priester hält den Kommunion-Kelch im Arm, in dem Rotwein und Brot-Krumen vermengt sind, daraus bekommt jeder einen Löffel voll gereicht. Alle Gläubigen nehmen also denselben Löffel in den Mund – und das zu Corona-Zeiten.

"Wo Gott ist, gibt es keine Ansteckung"

Wissenschaftler und Virologen schlagen die Hände über dem Kopf zusammen und warnen vor der Ansteckungsgefahr. Genau diese Warnung aber kommt bei vielen Gläubigen als Blasphemie, als Gotteslästerung an. Auch Vikar Alexandrakis betont, die Gläubigen hätten keine Angst davor, die Heilige Kommunion mit dem Löffel aus dem Kelch zu empfangen. "Weil in diesem heiligen Kelch das Blut und der Leib Christi ist. Dort ist Gott. Wo Gott ist, gibt es keine Krankheit und keine Ansteckung. Es ist kein menschlicher Zustand. Es ist göttliche Präsenz." 

So werden auch heute – beim nachgeholten Ostergottesdienst – Tausende die Kommunion empfangen und sich gestärkt fühlen. Wer nicht so recht dem Kommunion-Wunder traut, wie viele Wissenschaftler und Virologen, kann nur hoffen, dass nach dieser Zeremonie die Ansteckungs-Zahlen nicht nach oben gehen.

Sendung: hr-iNFO Aktuell, 26.05.2020, 9-12 Uhr

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