Eine Mitarbeiterin des Roten Kreuzes misst die Temperatur eines Mannes vor einem Gericht in Athen.

Gerade mal 2.566 Corona-Infizierte und 138 Tote: Das ist die griechische Bilanz der Pandemie bis Dienstag. Viele Griechen sind selbst erstaunt, mit wie viel Disziplin ihr Volk die Ausgangssperre erduldet – und wie gut die Regierung das Krisen-Management im Griff hat.

"Kalispera sas": Wenn Sotiris Tsiodras jeden Abend um Punkt 18 Uhr im griechischen Fernsehen leise einen guten Abend wünscht, dann ermahnen Eltern ihre Kinder: "Seid ruhig! Doktor Tsiodras ist im Fernsehen."

Der Mediziner trägt mit monotoner Stimme die aktuellen Zahlen vor: wie viele neue Corona-Infektionen es gab, wie viele Todesfälle. Am Dienstag waren zwei hinzugekommen, insgesamt zählt Griechenland seit Ausbruch der Pandemie 138 Corona-Tote - vergleichsweise wenig, denn Griechenland war auf die Pandemie gut vorbereitet. 

Frühe Maßnahmen

Den Virologen Sotiris Tsiodras hatte Ministerpräsident Kyriakos Mitsotakis schon Ende vergangenen Jahres zu seinem Corona-Sonderberater ernannt. Als Ende Februar die erste Griechin positiv auf Corona getestet wurde, ließ die Regierung auf Tsiodras‘ Rat sofort alle Karnevals-Umzüge verbieten.

Früher als in anderen Ländern wurden in Griechenland Schulen und Unis, Restaurants und Cafes geschlossen. So blieb die Zahl der Neu-Infektionen von Anfang an niedrig. Und wer von heute auf morgen die Arbeit verlor, bekam das frisch eingeführte Kurzarbeitergeld: 800 Euro pro Person.

Lob fürs Krisen-Management

Seit fünf Wochen regelt eine Ausgangssperre, dass die Griechen nur noch in Ausnahmefällen ihre Wohnung verlassen dürfen. "Das musste so entschieden werden, das geht gar nicht anders, damit wir alle geschützt sind“, sagt ein Passant in Athen. "Wir gewöhnen uns dran. Das ist das Beste für alle", meint eine Frau auf dem Weg zum Supermarkt.

Mehr als 85 Prozent der Griechen loben das Krisen-Management der Regierung Mitsotakis – und er selbst stimmt gern in die Lobeshymne ein: "Gegen das Virus hat sich hier ein gut organisierter Staat aufgestellt", so der Ministerpräsident am Dienstagabend in einer Fernseh-Ansprache. Der Staat habe die Bürger geschützt und gleichzeitig ihr Vertrauen gewonnen. Und die Bürger hätten sich "von ihrer besten Seite gezeigt. Sie haben die Regeln beachtet und damit ihre eigene Gesundheit geschützt sowie die Gesundheit ihrer Nachbarn."

Die Ausgangssperre wird deshalb am kommenden Montag gelockert. Ab dem 4. Mai dürfen die Griechen also wieder ohne besonderen Grund ihre Wohnung verlassen, aber es gelten weiter strenge Regeln. Strände bleiben ebenso geschlossen wie Restaurants und Einkaufszentren.

Das Gesundheitssystem, die Sonne und die Bürger

Griechenland hat gerade erst die jahrelange Wirtschaftskrise überstanden. Krankenhäuser hatten während der Krisenjahre stark gelitten und viel Personal verloren. Aber auch hier legte Mitsotakis eine stolze Bilanz vor: Tausende Ärzte habe seine Regierung neu eingestellt und Intensiv-Stationen ausgebaut. Kein Corona-Patient habe wegen überfüllter Stationen abgewiesen werden müssen und das werde auch so bleiben, versprach Mitsotakis.

Das Gesundheitssystem sei gut gewappnet gegen die Corona-Pandemie. Und man habe noch zwei Verbündete gegen Corona, sagte der Regierungschef: "Zum einen das gute Wetter, das uns erlauben wird, mehr Zeit draußen zu verbringen. Und das Wichtigste: Die Bürger sind sensibilisiert und gut informiert. Sie wissen genau, was sie tun können und was sie lieber lassen sollen."

Doktor Tsiodras, der Chef-Virologe Griechenlands, belässt es lieber bei einer nüchtern vorgetragenen Mahnung: "Wir dürfen jetzt nicht fahrlässig werden", sagt er, "sonst könnten wir alles zunichte machen, was wir bisher erreicht haben." Worte, die den Griechen bei jedem Gang vor die Haustür im Hinterkopf bleiben. 

Sendung: hr-iNFO Aktuell, 29.4.2020, 6 bis 9 Uhr

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