Die Akropolis in Athen

Wo sich sonst Tausende Touristen drängen, muss man andere Gäste jetzt förmlich suchen. Dafür nimmt man ganz andere Dinge wahr, wenn man das wohl berühmteste Bauwerk der Antike besucht. Ein Erfahrungsbericht.

Ganz billig ist der Spaß nicht: 20 Euro pro Person kostet die Eintrittskarte für die Akropolis. Naja, der griechische Staat gibt ja auch Unsummen aus, um die antiken Tempel auf dem Hügel zu erhalten. Also – hinein ins Vergnügen.

Hier ist schon alles auf einen möglichen Touristen-Ansturm unter Corona-Bedingungen vorbereitet: Auf dem Boden kleben Hinweise zum Abstand halten, der Eingangsbereich ist mit einer Plexiglas-Wand in zwei Hälften geteilt - eine zum Rein- und eine zum Rausgehen, damit sich die Menschenmassen nicht zu nah drängeln. Aber jetzt komme ich mutterseelenallein durch die Sperre, die sich mit dem Strich-Code der Eintrittskarte öffnet.

Käuze statt Touristen

Fünf Minuten später und viele Stufen höher lasse ich jetzt den Parthenon auf mich wirken, den Tempel mit seinen 46 Säulen. Bestimmt das berühmteste Bauwerk der Antike – und jetzt hab ich’s für mich alleine. Naja, fast, denn Ian aus London ist auch hier: "Das ist großartig, oder?", meint er. "Was haben wir für ein Glück, hier sein zu können", sagt Ian.

Er lebt in Athen und findet, die Akropolis sei ja ohnehin ein großartiger Ort. Aber dass wir sie jetzt für uns allein haben in dieser Ruhe, sei "unglaublich". Ja, Ian findet genau die richtigen Worte für diesen Tag auf dem Burgberg mit dem Parthenon und den anderen Tempeln, die alle seit mehr als 2.400 Jahren hier stehen.

Man hört Vögel zwitschern, man hört einen Kauz rufen, aber man hört nicht, wie sonst, das Gemurmel der Touristen-Massen. Ohne Gedrängel kann man den Ausblick auf Athen genießen, das einem zu Füßen liegt – oder man schaut auf der anderen Seite zum Ägäischen Meer, wo sich die Schiffe vor dem Hafen von Piräus stauen.

Vorbereitungen für die Öffnung

Diesen Ausblick lässt auch Giorgos auf sich wirken. Er wohnt hier in Athen, er hat den Parthenon, das berühmteste Bauwerk seiner Stadt, nun endlich mal in Ruhe betrachtet: "Für uns Griechen ist das natürlich viel schöner so", sagt er. "Wir können uns Zeit nehmen und sehen die Dinge ganz anders als sonst. Ungestört von anderen Leuten." Er zieht die Augenbrauen hoch und fügt noch einen Satz hinzu: "Aber irgendwie fehlt uns auch der Blick auf die Akropolis voller Menschen."

Ja, die Griechen haben bereits Sehnsucht nach ihren Gästen. In wenigen Wochen, Mitte Juni, sollen die ersten Touristen anreisen. Griechenland öffnet seine Grenzen und bereitet sich vor, immer mit Corona-Schutzmaßnahmen. So gilt für die Zahl der Akropolis-Eintrittskarten eine Obergrenze: Zu keinem Zeitpunkt dürfen sich mehr als 2.200 Besucher auf dem Akropolis-Hügel aufhalten. Nun, als ich dort war, habe ich insgesamt sieben Besucher gezählt. Herrlich, so einsam auf der Akropolis.   

Sendung: hr-iNFO Aktuell, 28.5.2020, 15 bis 18 Uhr

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