Herausforderer Mitsotakis läuft im Parlament an Amtsinhaber Tsipras vorbei
Liegt in den Umfragen vorn: Herausforderer Kyriakos Mitsotakis von den Konservativen (r.) Bild © picture-alliance/dpa

Am Sonntag wählen die Griechen ein neues Parlament. Der Hoffnungsträger und Gewinner der Wahl in 2015, Alexis Tsipras, hat viele Wähler bitter enttäuscht. Nun entpuppt sich der konservative Kyriakos Mitsotakis als neuer Hoffnungsträger.

"Das ist der Neue für Griechenland": Im Wahlspot der konservativen Partei Nea Dimokratia tritt Kyriakos Mitsotakis bereits wie der neue Kapitän und Lenker des Landes auf. Ein Schiff in schwerer See ist zu sehen. Mitsotakis führt es nach zehnjähriger Odyssee wieder in sichere Gewässer.

"Am 7. Juli schlägt die Stunde, wo wir nach vorne gehen. Wir sind bereit und haben einen Plan“, heißt es im Wahlspot der Konservativen. Ihr Spitzenkandidat, der 51-jährige Mitsotakis, hat sich in den letzten Jahren mühsam hochboxen müssen in der Partei. Er gilt nach wie vor nicht als Politiktalent, sondern eher als Arbeitstier. Und genau so wirkt er auch, wenn er sich in diesen Tagen von älteren Griechinnen als neuer Held auf Wahlkampfveranstaltungen in Kavala oder Thessaloniki kräftig umarmen lässt. Sein Lächeln wirkt dann fast ein wenig ängstlich.

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Die Konservativen punkten auch ohne Konkretes

"Das Land braucht eine große Investitionsexplosion. Alle Griechen müssen vom wachsenden Wohlstand profitieren. Das werden wir erreichen, indem wir die Steuern senken für alle Griechinnen und Griechen, für alle Unternehmer, egal ob groß oder klein. Ein Unternehmen ist dann gut, wenn es gute Löhne zahlt."

Mitsotakis verspricht nichts Konkretes. Es bleibt unklar, wie genau er welche Steuern senken will, und, ob Rentner und Niedrigverdiener durch eine konservative Regierung wirklich entlastet würden. Aber er kann sich mit besten Umfrageergebnissen als neue große Hoffnung Griechenlands präsentieren.

Amtsinhaber Alexis Tsipras liegt in den Umfragen weit zurück

Anders der 44-Jährige, der den Regierungssessel verteidigt. Alexis Tsipras galt für viele Griechen 2015 als neue Hoffnung, für manche auch als Experiment, dem sie nur mit Bauchweh ihre Stimme geben konnten. Als Regierungschef hatte er jedoch vieles zu entscheiden, was seine Wähler finanziell belastet hat. Der Werbespot seiner Partei versucht das alles als notwendig zu erklären.

"Wir entscheiden zwischen den Konservativen, die uns zum Bankrott geführt haben", heißt es im Syriza-Wahlspot "und uns, die wir das Land aus dem Bankrott und aus der Krise herausgeführt haben". Ein großer Teil der Griechen kann über diesen Slogan nur den Kopf schütteln. Tsipras lässt sich im Wahlkampf die schlechten Umfragewerte nicht anmerken, kämpft in diesen letzten Tagen vor der Wahl an vielen Orten.

"Ich möchte Sie heute alle bitten aufzustehen und zusammen zu kämpfen. Wir wissen sehr gut, dass wir es schaffen können. Unsere Hauptwaffe ist, dass wir das verteidigen, was gerecht ist, die Werte der demokratischen Fraktion und der Linken", sagte Tsipras zuletzt bei einer Wahlkampfveranstaltung.   

Verluste für Parteien am rechten Rand

Bei all der Aufregung, die wir um den wahrscheinlichen Regierungswechsel in den nächsten Tagen erleben werden, etwas Erfreuliches an dieser Wahl gibt es. Entgegen dem europäischen Trend des Rechtsrucks, hört man in Griechenland nur noch überraschend leise nationalistische Töne. Wenn es ähnlich ausgehen wird wie bei der Europawahl, dann ist Griechenland ein Beispiel dafür, dass man sich durch Krisen kämpfen kann ohne allzu groß am rechten Rand zu wachsen. Die Goldene Morgenröte hat sich bei den Europawahlen halbiert und dieser Trend wird auch für die Parlamentswahlen prognostiziert. Auch die rechtspopulistischen Unabhängigen Griechen haben sich praktisch erledigt.

Das interessante Ergebnis wäre dann unterm Strich, dass sich Griechenland wieder hinbewegt zu einem Land, in dem zwei große Parteien miteinander streiten.

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