Die Buchstaben "Hartz IV" werden unter die Lupe genommen
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Zuerst war es ein deutschlandweiter Pilotversuch, jetzt wird es nach und nach in allen Jobcentern in Deutschland eingeführt: Die Möglichkeit, sich als Hartz-IV-Empfänger in Notsituationen Bargeld an der Supermarktkasse auszahlen zu lassen. In Hessen ist das nun in Büdingen und in Friedberg möglich.

Ein unscheinbares Blatt Papier wird über den Strichcodescanner gezogen und der Kunde erhält Bargeld. Auf den Cent genau so viel wie auf dem Zettel steht. Die neue Barauszahlungsmethode der Jobcenter in der Wetterau ist recht unauffällig. Auf dem Zettel steht nicht, woher das Geld kommt. Nur die Aufforderung an die Kassierer, das angezeigte Geld auszuzahlen. Und erste Erfahrungen zeigen: Es funktioniert. Diese Erfahrung hat auch Isen Demaj aus Ranstadt gemacht.

Sein Auto war kaputt, er musste aber irgendwie zur Arbeit kommen. Weil er auf dem Land wohnt, ist er dafür auf ein Auto angewiesen. Also musste er übergangsweise eins mieten. Die Kaution dafür konnte er selbst nicht tragen, also hat das Jobcenter ausgeholfen, weil eine Überweisung zu lang gedauert hätte. "Ich habe einen Code bekommen und damit bin ich zu dm. Den Code habe ich abgegeben, der wurde gescannt und das war's. Hat problemlos geklappt," sagt Demaj. "Die haben nicht einnmal nach dem Namen oder Ausweis gefragt."

Eine Alternative, weil die Bargeldautomanten wegfallen

Genauso soll es nach Sicht des Jobcenters laufen. Die Barauszahlung an der Kasse ist weitestgehend anonym. Auch für die Jobcenter ist das neue Verfahren einfacher, weil die Bargeldautomaten wegfallen. Die mussten immer wieder gewartet werden, jetzt müssen nur noch ein paar Klicks in einem eigenen Computerprogramm gemacht werden.

Die Auszahlung per Barcode ist dadurch ein Gewinn für alle Seiten, sagt Sandra Schilfer. Sie arbeitet als Leistungssachbearbeiterin im Friedberger Jobcenter. Aus ihrer Sicht funktioniert diese neue Alternative gut: "Es hat unsere Arbeit etwas vereinfacht und es hat eigentlich nur Vorteile für unsere Kundschaft. Die persönlichen Daten bleiben geschützt. Wir geben keine Daten weiter, also weder an das Geschäft noch an sonst jemanden und es lässt sich einfach in den Alltag integrieren."

Schnell und anonym

Die neue Bargeldauszahlung kommt bei Leistungsempfängern und Sachbearbeitern gut an. Das System sichere die Anonymität und habe außerdem den Vorteil, dass es sehr schnell ist, erklärt Bernhard Wiedemann, Geschäftsführer des Jobcenters Wetterau. Er stellt aber auch klar: Diese Auszahlung gilt nicht für alle Leistungen: "Die Nutzung dieser Barcodes ist die Ausnahme für Notsituationen. Also wenn Menschen von jetzt auf gleich oder in den nächsten zwei, drei Tagen dringend Bargeld benötigen."

Eine Bankanweisung dauert in der Regel aber vier bis fünf Tage. Wenn diese Zeit nicht ausreiche, dann werde auf den Barcode zurückgegriffen, sagt Wiedemann. Aber diese Form der Auszahlung sei die Ausnahme. Bis zu 1.000 Euro können sich Leistungsempfänger in solchen Fällen bar auszahlen lassen. Das Geld wird dann mit den zukünftigen Leistungen, die normal überwiesen werden, verrechnet.

Sendung: hr-iNFO, 11.1.19, 06:10 Uhr

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