Der Runenstein von Rök

Der Runenstein von Rök gibt Forschern Rätsel auf. Es gibt viele Theorien, was auf ihm verewigt wurde. Wenn es nach einer neuen Theorie geht, waren die Wikinger von damals Greta Thunberg vielleicht gar nicht so unähnlich.

Man spürt einen Zauber, wenn Sprachexperten wie Henrik Williams von der Universität Uppsala die Runen zitieren, die in den weltberühmten Stein von Rök am Vättersee in Mittelschweden geritzt sind: 750 von ihnen, um die 1.200 Jahre alt. Ein Mann namens Varin hat sie verfasst in zwei unterschiedlichen Runen-Alphabeten, angeblich zum Andenken an seinen todgeweihten Sohn.

Immer wieder haben Fachleute Theorien über die Bedeutung der Runen entwickelt, unter anderem soll es da um einen Ostgotenkönig aus dem sechsten Jahrhundert gehen. Oder auch nicht, sondern vielleicht um etwas ganz anderes: Das ist jedenfalls das Ergebnis einer Studie verschiedener schwedischer Wissenschaftler, die sich den Stein fachübergreifend angeschaut haben und vermuten, dass sich die Zeichen mit einer Art früher Klimaangst beschäftigen.

Rätsel über das Licht

Mit dem Runenstein wird offenbar versucht, den Rhythmus des Lichtes zu stabilisieren", sagt Per Holmberg, Professor für Schwedisch an der Universität Göteborg und einer der führenden Rökstein-Kenner. "Womit das genau zusammenhängt, wissen wir nicht, aber wir gehen davon aus, dass es sich um einen Ritus handelt."

Nur: Um was für einen und zu welchem Zweck? Der Stein wirft immer neue Fragen auf, gerade weil man jetzt eine andere Theorie hat: "Wir zeigen, dass man an jedem neuen Punkt des labyrinth-artigen Textes ein Rätsel über das Licht vorfindet", erklärt Holmberg. "Antworten auf jedes dieser Rätsel sind entweder direkt die Sonne oder indirekt Odin, Odins Sohn oder Odins Krieger, die das Licht verteidigen sollen."

Angst vor Kälte, nicht vor Wärme

Licht ist gleich Wärme, Wärme ist gleich Leben. Das war auch damals schon die simple Formel. Und womöglich ging es den Wikingern genau darum: um Wärme, genauer: um den Verlust derselben. Was sie dann von ihrer Urnachfahrin Greta unterscheidet. Wir haben heute ja Angst vor der Erwärmung der Atmosphäre, die Menschen damals fürchteten offenbar die Wiederholung eines etwa 300 Jahre zuvor von Vulkanausbrüchen verursachten Temperatursturzes mit Missernten und Hungersnöten. Vielleicht sogar den aus der nordischen Mythologie bekannten dreijährigen "Fimbulwinter", eine kleine fürchterliche Eiszeit und ein Vorzeichen des Weltunterganges.

Für Magnus Kallström, Runologe im schwedischen Reichsantiquariat, hat das Ganze etwas Plausibles: "Wir lernen ja daraus mehr über die Vorstellungswelt der Wikinger. Sollte es wirklich so sein, dass die Wetterphänomene aus dem Jahr 530 noch 300 Jahre später im Gedächtnis waren, dann wäre das wirklich spannend."

Eine Deutung mit aktuellem Charme

Nur, wirklich wissen werden wir es wohl nie. Denn auch wenn viele wissenschaftliche Kapazitäten des Landes an der neuen Studie beteiligt waren, die eben zum ersten Mal verschiedene Fachbereiche zusammengeführt hatte, bleibt auch die neue Theorie eine Theorie. Eine mögliche Deutung mit aktuellem Charme. Man könnte nämlich sagen, dass schon die Ururahnen von Greta Thunberg Klimaangst hatten, nur dass die ihre Sorgen in Stein gehauen hätten und nicht in einen Schul-, oder was damals wohl wahrscheinlicher gewesen wäre, in einen Raubzug-Streik getreten wären.

Sendung: hr-iNFO Aktuell, 10.1.2020, 15 bis 18 Uhr

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