Eine Hebamme hält im Krankenhaus ein Baby im Arm

Wer ein Baby erwartet, braucht Unterstützung. Wichtige Hilfe dabei leisten Hebammen, doch es wird immer schwieriger, eine zu finden. Ein Modellprojekt in Frankfurt soll das jetzt ändern.

Schon Monate vor der Geburt hatte Nicole Klöters sich um eine Hebamme gekümmert. Schließlich erwartete sie ihr erstes Kind. Doch kurz vor der Geburt der kleinen Yael fiel ihre Hebamme aus gesundheitlichen Gründen aus und stand nicht mehr zur Verfügung.

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Hebammen-Notversorgung

Die Frankfurter Wochenbett-Notversorgung berät telefonisch, vermittelt Hausbesuche sowie Sprechstunden. Die Koordinierungsstelle ist montags bis freitags von 10 bis 12 Uhr telefonisch unter 0160-99207271 zu erreichen oder oder per E-Mail an info@wochenbett-frankfurt.de.

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Die Rettung für Klöters: Die neue Hebammen-Notversorgung, die Anfang September in Frankfurt die Arbeit aufgenommen hat. Das Modellprojekt wurde von der Stadt Frankfurt in Zusammenarbeit mit der Dr. Senckenbergischen Stiftung eingerichtet und ist zunächst auf zwei Jahre befristet.

Schon zum Start hohe Nachfrage

Dort fand Klöters schnell und unbürokratisch Hilfe: Nach ihrem Anruf habe sie innerhalb von 15 bis 20 Minuten eine Rückmeldung bekommen, dass eine Hebamme für sie gefunden worden sei. "Da hab ich nur gedacht: Hui, Glück gehabt", sagt Klöters.

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Erste Anlaufstelle für Eltern, die Hilfe suchen, ist die Telefonsprechstunde der Hebammen-Notversorgung. Die Nachfrage ist schon jetzt groß, alle 5 bis 10 Minuten klingelt das Telefon.

Erste Hilfe für Familien ohne Hebamme

Kim Parent ist seit 16 Jahren Hebamme in Frankfurt. Sie wundert das hohe Interesse nicht. Schließlich sei der Hebammen-Mangel ein zunehmendes Problem, das sich gerade in Frankfurt, mit jährlich knapp 13.000 Geburten, bemerkbar mache. "Das sind mittlerweile um die 50 Prozent der Familien, die sich eine Hebamme wünschen und bei der Hebammensuche nicht erfolgreich waren."

Genau für diese Familien ist die neue Notversorgung gedacht. Sie vermittelt auch Hausbesuche für die ersten Tage nach der Geburt, ab dem zehnten Lebenstag, dann Sprechstunden in einer Praxis in Wohnortnähe.

Win-Win-Situation

Hebamme Christina Dinauer berät die jungen Eltern telefonisch und kennt ihre Unsicherheiten und Sorgen nach der Geburt nur zu gut. Fragen über die richtige Bekleidung des Kindes, über Schlafgewohnheiten, Stillproblematiken oder die Psyche der Frau gehören zum Alltag junger Eltern: "Die Hebamme kann da Hilfestellung geben bei den ganzen Verunsicherungen, die in der ersten sensiblen Phase auftreten."

Um den Bedarf zu decken, versucht das Projekt, möglichst viele freiberufliche Hebammen zu gewinnen, die ihre Arbeit und freien Kapazitäten zur Verfügung stellen. "Das kommt wiederum den Hebammen mit Kindern zu Gute, die uns vielleicht vor und nach dem Urlaub kleine Zeitkontingente geben können. Dadurch können sie ihre Einkommenslücken schließen, somit ist es eine Win-Win-Situation für die Familien und für die Hebammen", sagt Dinauer.

"Unser Ziel wäre, dass es uns gar nicht braucht"

Trotzdem wünscht sich Hebamme Parent, dass es die Notversorgung nicht lange geben muss: "Wir hoffen, dass die ganz allgemeinen Probleme auf politischer Ebene gelöst werden. Dass Hebammen attraktivere Arbeitsbedingungen haben, um in dem Beruf zu bleiben, um in den Beruf einzusteigen. Unser Ziel wäre, dass es uns gar nicht braucht, weil es genug Hebammen gibt, die die Arbeit machen können." Bis es soweit ist, hofft man in Frankfurt, die größte Not zumindest abzufedern.

Sendung: hr-iNFO Aktuell, 17.9.2019, 9-12 Uhr

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