Durch den Corona-Lockdown sind viele Unternehmen auf Soforthilfen angewiesen.

Seit Montag gilt der " Lockdown light". Restaurants und Bars haben geschlossen, auch Kultur- und Veranstaltungsorte wie Kinos, Theater und Opern sind dicht – also die Betriebe, die ohnehin seit Beginn der Pandemie zu kämpfen haben. Und viele berichten: Sie fühlen sich hilflos.

Der Waldzoo in Offenbach. Hier leben Ponys, Ziegen und Hängebauchschweine. Für die schneidet die Auszubildende Juliane Koch Obst und Gemüse: Karotten, Gurken, Äpfel. „Wir sind um 8 Uhr hier, machen erst die Gehege sauber, machen Futter, Wasser und misten aus.“ Also eigentlich alles wie immer. Eigentlich. Denn: Die Besucher fehlen.

Das gleiche Bild im Offenbacher Waldzoo: seit Montag geschlossen. Das stellt den kleinen Zoo vor große Probleme, sagt Leiterin Susanne Meyer: „Die Kosten laufen ja weiter. Also nur, weil wir keine Kundschaft haben, heißt das nicht, dass wir jetzt irgendwo etwas sparen. Die Angestellten müssen weiter finanziert werden, die Krankenkassen, Finanzamt will Geld, Strom, Futter für die Tiere.“

Weiter existieren dank Spenden

Im Frühjahr musste der Waldzoo coronabedingt auch schon schließen und stand kurz vor dem Aus. Nur dank vieler Spenden ging der Betrieb weiter. Jetzt ist er also wieder geschlossen – und hat damit wieder Probleme: „Du weißt: Du schaffst es einen Monat, du schaffst es auch mal zwei, aber dann ist es irgendwann ein Problem.“

Bei Ute Berné in Hanau ist die Situation ganz ähnlich. Sie betreibt eine Tanzschule. Auch diese ist seit Montag zu. Und auch hier gibt es finanzielle Ängste und Sorgen. Die Bundesregierung hatte deshalb schnelle, unbürokratische Hilfen versprochen: die sogenannte Überbrückungshilfe II. Im Frühjahr sei es schnell und einfach gegangen, die Überbrückungshilfe zu bekommen, erinnert sich Ute Berné.

Kompliziertes Verfahren

Jetzt sei das anders. Sie selbst darf diese Hilfen nämlich gar nicht beantragen. Das muss für sie zum Beispiel ein Steuerberater oder Wirtschaftsprüfer machen. "Diese Stunden, die der Steuerberater da dran sitzt, muss ich ja bezahlen" sagt die Geschäftsinhaberin. "Der macht das ja nicht umsonst. Unbürokratisch ist was anderes.“

Die Bundesregierung hatte zudem eine außerordentliche Wirtschaftshilfe versprochen. Unternehmen sollen so bis zu 75 Prozent des Umsatzes aus dem November des Vorjahres bekommen. Auch das: angeblich schnell und unbürokratisch.

Keine Anträge, keine Informationen

Doch bisher gibt es diese außerordentliche Wirtschaftshilfe nicht. Es gibt keinerlei Anträge oder weitere Informationen. Tanzschulen-Leiterin Ute Berné ist verärgert: "Bis zu 75 Prozent, was wir an Umsatz im letzten November hatten. Aber wenn ich ja gar nicht weiß, wo ich das beantragen soll, hängen wir da ja auch total in der Luft."

Genau so geht es vielen Betrieben: Ihnen wurde Hilfe versprochen, doch wie und wann sie die bekommen, wissen sie nicht.

Unternehmensverbände sind schockiert

Viele Unternehmensverbände sind schockiert – so wie zum Beispiel Kerstin Junghans vom Hessischen Hotel- und Gaststättenverband Dehoga: „Die Politik ist tatsächlich noch am Erstellen dieser Regeln, was wir sehr erschreckend finden. Denn der Lockdown ist da. Da möchten wir den großen Appell an die Politik richten, dass das jetzt schnell passieren muss, weil unsere Betriebe das sonst nicht überleben werden.“

Die Bundesregierung hatte schnelle, unbürokratische Hilfe angekündigt. Warum es die noch nicht gibt, verrät sie nicht. Immerhin: Die deutsche Presse-Agentur berichtet von einem internen Papier. Mittlerweile seien viele Fragen rund um die Hilfen geklärt. Details seien aber noch offen.

Finanzministerium: Hilfsmaßnahmen "schnell und unbürokratisch" umsetzen

Das Bundes-Finanzministerium äußert sich indes nur schriftlich: „Wir werden sehr schnell weitere Details zu den umfangreichen weiteren Hilfsmaßnahmen vorstellen. Die Bundesregierung arbeitet mit Hochdruck daran, die zusätzlichen Hilfen schnell, unbürokratisch und wirksam umzusetzen.“

Doch wann genau den Unternehmen geholfen wird, das ist nach wie vor unklar. Bis dahin hängen sie in der Luft, wie sie sagen. Viele fühlen sich hilflos.

Sendung: hr-iNFO Aktuell, 5.11.2020, 12 Uhr

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