D-Mark-Scheine und -Münzen
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Vor 70 Jahren wurde die Deutsche Mark in Umlauf gebracht. Mittlerweile wurde sie vom Euro abgelöst, doch noch immer sind mehrere Millionen Mark in Umlauf. Wo ist das Geld? Was kann man damit noch anfangen? Und: War mit der Mark alles besser?

12,6 Milliarden D-Mark werden immer noch vermisst, das sind umgerechnet über sechs Milliarden Euro. Immer wieder kommen zur Bundesbank Menschen, die D-Mark in skurrilen Verstecken gefunden haben. Oft kommt das vor, wenn beispielsweise die Großeltern verstorben sind deren Häuser ausgeräumt werden. Da tauchen D-Mark schon mal hinter den Tapeten, eingenäht im Vorhang oder Sofa oder im Ofen auf. In anderen Fällen dürfte das Geld nach Einschätzung der Bundesbank vernichtet worden oder verloren gegangen sein.

Wer noch D-Mark findet, kann das Geld bei der Bundesbank in Euro umtauschen zu einem Kurs von 1,95 DM zu 1 Euro. Das ist zeitlich unbegrenzt möglich. In Frankfurt geht das bei der Bundesbank-Filiale an der Taunusanlage. Dort kommen täglich noch immer etwa 40 Leute vorbei und bringen im Schnitt 500 DM mit, um sie in Euro umzutauschen. Wichtig dabei: den Personalausweis mitbringen. Man kann das Geld aber auch per Post zur Bundesbank schicken, dann aber an die Filiale in Mainz. Alle Infos dazu finden Sie hier.

Die D-Mark: ein Mythencheck

Hartnäckig halten sich Mythen über die "Wunderwährung" - etwa, dass sie für Wohlstand und wirtschaftliches Wachstum stehe. Was davon stimmt?


Mythos 1: Mit der D-Mark kam der Wohlstand nach Deutschland

Mit der D-Mark konnten die Menschen über Nacht in Deutschland wieder alles kaufen: gute Butter, echten Bohnenkaffee, exotische Südfrüchte. Die Auslagen der Geschäfte wurden wieder gefüllt. Bislang hatten sie die Händler leer gelassen, weil sie der alten Währung, der Reichsmark, nicht mehr getraut hatten. Dass aber mit der D-Mark der Wohlstand nach Deutschland eingezogen wäre, hält der Frankfurter Wirtschaftshistoriker Werner Plumpe schlicht für falsch: "Mit der D-Mark kam zunächst die Armut nach Deutschland. Da sind die Geldvermögen durchweg entwertet worden. Was die Menschen vorher gespart hatten, war wertlos geworden. Die Bevölkerung hat durch die Aufgabe ihrer Geldvermögen den Krieg bezahlt."

Kundenandrang vor einem Geschäft, das nach der Währungsreform Schilder mit der Aufschrift "Neue Währung... neue Preise!" an der Hausfassade angebracht hat.
Kundenandrang vor einem Geschäft nach der Währungsunion (21.6.1948) Bild © picture-alliance/dpa

Zum Start bekam jeder 60 Mark. Damit mussten die Deutschen alles bestreiten, auch ihre Miete. Von den vollen Schaufenstern hatten sie oft nur wenig, zumal das Angebot an Waren trotz allem überschaubar war, sodass die Preise für diese Waren bald massiv stiegen. Von Wohlstand war also zumindest anfangs wenig zu spüren.

Mythos 2: Dank der D-Mark gab es das deutsche Wirtschaftswunder

Die 1950er Jahre waren in Deutschland geprägt von einem rasanten wirtschaftlichen Aufschwung. Deutsche Unternehmen exportierten ihre Ware in alle Welt, allen voran den VW-Käfer, aber auch Waschmaschinen und Kühlschränke. Und so sagt Falko Fecht, Professor für Finanzökonomie an der Frankfurt School of Finance and Management: "Die D-Mark war sicherlich eine zentrale Bedingung für das Florieren der Wirtschaft, aber nicht allein entscheidend dafür."

Genauso wichtig ist seiner Ansicht nach, dass die damalige Bundesregierung zur selben Zeit Wirtschaftsreformen umsetzte. Seitdem wurden zum Beispiel die Preise nicht länger festgelegt, sondern durch Angebot und Nachfrage bestimmt. Für Wirtschaftshistoriker Werner Plumpe war das die eigentliche Initialzündung: "Das hat dazu geführt, dass Arbeitskräfte sinnvoll eingesetzt und Rohstoffe sinnvoll verwendet worden sind, dass die Menschen sehr fleißig gearbeitet haben. Das führt dann schnell dazu, dass die wirtschaftlichen Verhältnisse besser werden". Das hatte also längst nicht nur mit der D-Mark zu tun

Mythos 3: Die D-Mark war viel stabiler als der Euro, mit dem Euro wurde alles teurer

Als 1999 der Euro eingeführt wurde, war das Gejammer groß. Viele Deutsche hatten das Gefühl, dass Waren und Dienstleistungen mit einem Schlag teurer wurden. Finanzprofessor Falko Fecht relativiert: "Im Wesentlichen waren es Lebensmittel, die deutlich teurer geworden sind und insbesondere Restaurantbesuche." Damals rundeten Gastwirte und Händler großzügig auf. So blieb am Ende der Eindruck, der Euro sei eine butterweiche Währung, die den Deutschen eine hohe Inflation eingebrockt habe. Doch das ist ein Irrglaube: Das europäische Geld ist extrem stabil. Unter dem Euro sind die Preise sogar stabiler als unter der D-Mark. Auch hier ist der Mythos eindeutig widerlegt.

Sendung: hr-iNFO, 20. Juni 2018, 9:25 Uhr

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