Hamburg: Tote Fische treiben in einem Rückhaltebecken an der Wasseroberfläche
In Hamburg treiben bereits tote Fische in einem Rückhaltebecken nach wochenlanger Hitzewelle. Bild © picture-alliance/dpa (Archiv)

Nach wochenlanger Hitze sind die Gewässer in Hessen in einem kritischen Zustand – zu warm, zu wenig Sauerstoff. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis wir auch hier Bilder vom Fischsterben sehen, sagen Experten.

Bei Mücke im Vogelsberg hat die Hitze schon ihren Preis gefordert. Der Ilsbach, ein Bächlein in Groß-Eichen, ist so gut wie versiegt. Eine Anwohnerin hat die Not der Fische bemerkt und Alarm geschlagen, Feuerwehr und Bauhof kamen in letzter Minute, um die Fische in ein Naturschutzgebiet umzusiedeln, erzählt Einsatzleiter Bernd Wißner in der Sendung Maintower. Er habe vor Ort ein Rinnsaal entdeckt, eine Pfütze, in der es von Jungfischen nur so gewimmelt habe. "Ich bin selber Angler. Ich häng an der Fischbrut, das zeugt von sauberem Gewässer", erzählt Wißner. Er sei dafür, dass man die Fische auch rette.

Bäche versiegen, Mittelgebirgsflüsse wie Fulda oder Eder führen Niedrigwasser, selbst Wasserstraßen wie der Rhein oder der Main heizen sich auf. Der Verband Hessischer Fischer stuft den Zustand der Gewässer in Hessen momentan flächendeckend als kritisch ein. "Es kann sich nur um ein paar Tage handeln, bis wir das große Fischsterben auch hier in Hessen beklagen müssen", sagt der Geschäftsführer des Verbands, Günter Hoff-Schramm.

Im Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie (HLNUG) in Wiesbaden ist Mechtild Banning zuständig dafür, die Fließgewässer zu überwachen. Die Biologin geht davon aus, dass es in diesem Sommer vor allem im Main kritisch wird, wo das Wasser stellenweise 28 Grad hat. Die Temperatur an sich sei nicht das Schlimme, sagt Banning. Das Problem seien vielmehr die Sauerstoffverhältnisse. "Die sind in so einem stauregulierten Gewässer ohne turbulenten Sauerstoff schlechter", so die Biologin.

Die älteren sind die ersten Opfer

Derartig warmes Wasser enthält wesentlich weniger Sauerstoff als kaltes – nämlich nur noch ein Drittel. Der Verband Hessischer Fischer warnt davor, dass vor allem die Staustufen im Main und anderen stauregulierten Flüssen zu wahren Todesfallen werden können. "Wie wir es auch in Hamburg gesehen haben: Da wurden auch in einer Stauanlage viele tote Fische herausgeholt", erzählt Hoff-Schramm.

Das käme daher, dass in den Stauhaltungen kein Sauerstoff sei. "Dort sterben alle Sedimente ab. Die werden dort gesammelt und es kommt zu einer starken Methanausgasung", erklärt der Geschäftsführer des Verbands. Dort sei dann kaum Sauerstoff vorhanden. Das würden die Fische allerdings viel zu spät merken und es komme dann zu starkem Fischsterben.

Mit 7 Milligramm pro Liter hat der Rhein zwar momentan gerade noch genug Sauerstoff, doch auch hier bangt man um die Fische. Das Wasser ist seit Wochen zu warm, Parasiten und Krankheiten breiten sich aus. An einem Altrheinarm, der wegen des Niedrigwassers kaum noch vom Fluss durchströmt wird, hat Hans-Jürgen Oehl vom Angelsportverein Gonsenheim schon einzelne tote Fische entdeckt. "In der Regel sind das ältere. Das sind dann die ersten Opfer", sagt der Angler.

Nicht viele Möglichkeiten

Fachleute der Bundesanstalt für Gewässerkunde in Koblenz rechnen mit einem Fischsterben in Rhein, ähnlich wie im heißen Sommer 2003. Mechtild Banning vom HLNUG ist etwas optimistischer. Natürlich steige die Keimbelastung an, der Abbau von organischer Substanz gehe schneller voran, pH-Werte stiegen an, es bilde sich mehr Ammoniak. "Es ist natürlich ein Dauerstress und man weiß nicht, wie lange es die Tiere aushalten. Aber ich hoffe mal, dass sie es in diesem Sommer aushalten im Rhein", sagt Banning.

Kurzfristig kann man nicht viel tun, um den Fischen zu helfen. Umweltschützer fordern, dass die Kraftwerke vorübergehend damit aufhören, ihre aufgewärmten Kühlwässer in die Flüsse zu leiten. Manche Kommunen verbieten es jetzt, für Gärten oder die Landwirtschaft noch Wasser aus Bächen oder Flüssen zu pumpen. Dauerhaft helfen vor allem naturnahe Gewässer mit schattigen Ufern, in denen sich das Wasser nicht so aufwärmt und die Fische sich in Kolke zurückziehen können.

Sendung: hr-iNFO, 07.08.2018, 16:10 Uhr

Jetzt im Programm