Davidstern im ehemaligen NS-Konzentrationslager Theresienstadt

Charles Siegman wurde mit acht Jahren von den Nazis aus seiner niederländischen Heimat ins KZ Theresienstadt deportiert. Beim Zikaron BaSalon, dem Erinnern im Wohnzimmer, erzählt er jüngeren Menschen heute in sehr kleinem Kreis, was er dort erlebte.

"Stand einer am Anfang der Schlange, um Suppe zu fassen, bekam er eine dünne Brühe, stand er am Ende der Schlange, gab es nichts mehr", sagt Charles Siegmann. "Bauernschlau lernten wir Kinder sehr schnell, uns in die Mitte der Schlange einzureihen. Und die Leute waren zu uns dreien sehr nett."

Die First Ladies, die Charles Siegman gebannt lauschten, waren Michal Herzog, die Frau des israelischen Präsidenten, und Elke Büdenbender, die Gattin des Bundespräsidenten.

"Es ist leider noch nicht vorbei"

Es war nicht das erste Mal, dass Elke Büdenbender an einem Zikaron BaSalon, dem Erinnern im Wohnzimmer, teilnahm. Diese Veranstaltungen, bei denen Zeitzeugen ihre Erfahrungen mit Jüngeren in einem sehr kleinen Kreis teilen, haben sich in Israel inzwischen fest etabliert. Und die deutsche First Lady ist gerne mit dabei. Auch wenn sie – wie am Mittwoch geschehen – immer wieder mit einer unbequemen Frage konfrontiert wird: Wie steht es um den Antisemitismus in Deutschland?

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"Es gibt in Deutschland immer noch einen unglaublichen Antisemitismus", sagt Büdenbender. Ihr Mann habe als Bundespräsident die Aufgabe, sich dem, was in Deutschland wieder anwachse, entgegenzustellen - was er auch stets tue. "Es ist leider noch nicht vorbei. Wir müssen dagegen ankämpfen, wir müssen daran erinnern, wir müssen die Geschichten aus jener dunklen Zeit erzählen, und wir müssen dies den jungen Leuten im Unterricht nahebringen. Wir müssen darüber miteinander reden."

Zuhören als Essenz der Treffen

Die Aussagen der Zeitzeugen sind immens wichtig. Es werden aber immer weniger, die ihre Erfahrungen an andere weitergeben können. Auch deshalb lobte Israels First Lady Michal Herzog die Wohnzimmertreffen, die in Israel vor allem anlässlich der Holocaust-Gedenktage stattfinden. "Ich glaube, das ist die Essenz dieser Treffen: zuzuhören. Denn die Zeit schreitet voran. Wir müssen dies den nächsten Generationen vermitteln. Und vor allem dürfen wir niemals vergessen."

Charles Siegman, der nach seiner Befreiung aus dem KZ Theresienstadt durch die russischen Truppen zu Verwandten in die USA ging und dorthin auch emigrierte, lässt keine Gelegenheit aus, seine Lebensgeschichte Jüngeren zu erzählen. Immer wieder beim Zikaron BaSalon, dem Erinnern im Wohnzimmer. Und immer wieder gerne vor allem in Israel.

"Juden haben nun einen Himmel"

"Man kann gar nicht genug betonen, wie wichtig ein starkes Israel ist. Mit nur wenig Ausnahmen schloss die zivilisierte Welt den Juden, die unmittelbar vor der Auslöschung waren, die Türen. Die Juden haben nun einen Himmel, der sie in Zeiten der Not mit offenen Armen aufnimmt. Daher müssen wir Israel uneingeschränkt unterstützen."

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