Strand auf Hawaii

Weil sie wegen der Corona-Pandemie derzeit nicht reisen können, holen sich viele Südkoreaner ihre Traumziele ins eigene Zuhause - inklusive Picknickdecke und Petroleumlampe.

Auf dem Campingkocher brutzelt das Hähnchen, die Petroleumlampen spenden warmes Licht: Willkommen bei der südkoreanischen Familie Lee. Vater, Mutter, Kind machen dieses Jahr Homecampen. "Wenn die Abstandsregeln noch weiter verschärft werden, können wir nicht mal innerhalb des Landes reisen oder draußen zelten. Deshalb ist Homecamping das Sicherste und Beste in Zeiten wie diesen", sagt Vater Lee Seung-Yoon.

Südkorea erlebt gerade wieder eine neue Welle von Infektionen, die Familie hat deshalb ein ganzes Zimmer umgestaltet, in der Mitte stehen Campingtisch und Stühle, auf dem Fernsehbildschirm flackert ein künstliches Lagerfeuer. Der siebenjährige Ji-Sung ist sichtlich stolz auf seine kreativen Eltern: "Meine Freunde sitzen den ganzen Tag zu Hause und spielen Videospiele, da ist es toll, dass meine Familie was Besonderes macht mit Homecamping, einer Picknickdecke und einem Lagerfeuervideo. Es wäre noch schön, jetzt Bäume an die Wände zu malen."

7.000 Euro für die Camping-Ausrüstung

Das ist vielleicht keine so gute Idee, schließlich hat die Familie schon reichlich Geld für das Homecamping in die Hand genommen, wie Mutter Min-Hee erzählt: "Wir wollten eigentlich diesen Sommer eine Woche nach New York fahren, aber wegen Corona ging das nicht. Deshalb haben wir die zehn Millionen Won jetzt in die Campingausrüstung gesteckt." Das sind umgerechnet rund 7.000 Euro. Die Familie scheint keine Ausnahme zu sein.

Das größte südkoreanische Einzelhandelsunternehmen E-Mart hat von April bis Mitte Juli doppelt so viele Campingartikel verkauft wie im gleichen Zeitraum vergangenes Jahr. Das zeigen Recherchen der Nachrichtenagentur Reuters. Noch größer ist die Umsatzsteigerung bei Möbeln und Materialien rund ums Renovieren. Kim Hyo-Jung und ihr Ehemann zeigen freudestrahlend ihre neu dekorierte Wohnung. Die Küche im Stil der Niederlande, das Bad im Bali-Look und das Wohnzimmer trägt die Handschrift Hawaiis.

Weiße Weihnacht im Hawaii-Zimmer

"Hier im Bad haben wir Bali und im Wohnzimmer Hawaii. Da wir für einige Zeit nicht ins Ausland reisen konnten, haben wir versucht, uns die Reiseziele nach Hause zu holen." Vater Seok-Min sitzt mit seiner Frau in einem stoffbezogenen Sonnenstuhl, dazwischen stehen eine Palme und die obligatorische Kühlbox, in der Hand ein eisgekühlter Drink. "Ich freue mich schon, wenn wir in unserem Hawaii-Zimmer im Winter Weihnachten feiern können, dann natürlich mit Schnee."

Die Familie versucht das Beste aus der Situation zu machen. Trotzdem wird Mutter Hyo-Jung ein bisschen wehmütig, als sie auf dem Smartphone alte Urlaubsfotos anschaut: "Zu dieser Jahreszeit waren wir vergangenes Jahr auf den Philippinen, in Vietnam und auf Guam. Auch für diesen Sommer hatten wir Pläne mit unseren Kindern. Aber wegen des Coronavirus ist alles geplatzt. Es ist so traurig."

Sendung: hr-iNFO Aktuell, 26.8.2020, 12 bis 15 Uhr

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