Hongkong Skyline

Nirgendwo auf der Welt ist Platz so kostbar und rar wie in Hongkong. Das führt nicht nur zu horrenden Mietpreisen, sondern auch zu gefährlichen Situationen auf dem Gehsteig, wenn es regnet.

Die frühere britische Kolonie Hongkong ist flächenmäßig nur einen Tick größer als die Ostseeinsel Rügen. Was die Einwohnerzahl angeht, lassen sich beide aber Gebiete nicht vergleichen: In der chinesischen Sonderverwaltungszone leben mit rund 7,5 Millionen Menschen etwa 100 Mal so viele Menschen wie auf Rügen.

Ausweichen, rempeln, fluchen

Da braucht es nicht viel Fantasie, um zu erkennen, dass Hongkong eine verdammt enge Stadt ist. So eng, dass es wirklich auffällt. Beispiel: die Gehwege. Sie sind schmaler als in den meisten anderen Städten der Welt, gleichzeitig aber auch voller.

Das ist extrem anstrengend. Vor allem, wenn es regnet und unzählige Menschen mit aufgespannten Regenschirmen auf den engen Gesteigen unterwegs sind. Dann wird ausgewichen, gerempelt, ausbalanciert und viel geflucht. Wer schonmal mit Schmackes eine Regenschirm-Speiche ins Auge gedrückt bekommen hat, der weiß, was ich meine.

2.000 Euro kalt für ein Zimmer

Aber nicht nur draußen geht es in Hongkong eng zu. Wohnraum ist so kostbar, dass selbst kleine Wohnungen unfassbar teuer sind im Vergleich zu Mitteleuropa. Im Zentrum kostet eine kleine Einzimmerwohnung mindestens 2.000 Euro Monatsmiete - kalt, versteht sich. Ohne vollwertige Küche und nur mit Mini-Badezimmer ausgestattet.

Das führt nicht nur zu großem Frust vor allem unter Berufseinsteigern, sondern auch zu Kuriositäten - wie zum Beispiel, dass viele Menschen keine eigene Waschmaschine mehr haben – der Platz fehlt einfach. Stattdessen boomt in Hongkong das Geschäft mit Wäschereien und Selbstbedienungs-Waschsalons.

Auch Besucher spüren die Enge

In Hongkonger Büros ein ganz ähnliches Bild: eng an eng sitzen Kollegen. In Deutschland wäre das Design üblicher Hongkonger Großraumbüros vermutlich illegal wegen des Verstoßes gegen Artikel 1 Grundgesetz - Menschenwürde ist das Stichwort.

Selbst Besucher bekommen die Enge Hongkongs zu spüren: Hotelzimmer sind kleiner als sonstwo auf der Welt. Wer sich denkt: 'Ach, dann verbringe ich eben mehr Zeit in einem Café oder sonstwo auswärts' - viel Spaß beim Suchen!

Auch in Hongkonger Cafés, Restaurants und Bars ist jeder Quadratmeter kostbar. Sitze, Bänke, Stühle sind häufig sehr eng gestellt, Ablageflächen für Taschen oder Jacken gibts in der Regel keine, und wer nach dem Austrinken oder Aufessen nicht sofort zahlt und verschwindet, wird mindestens mürrisch angeschaut oder sogar gebeten, doch endlich den Platz zu räumen.

Orte der Abgeschiedenheit

Interessant aber: Mit ein wenig Recherche und einer halbstündigen Bus- oder Bootsfahrt lassen sich auch im so engen Hongkong Orte der Abgeschiedenheit finden. Mit der Fähre ist man ruck-zuck auf einer der vielen kleinen Inseln der chinesischen Sonderverwaltungszone, auf denen es leere Sandstrände gibt.

Weite Teile Hongkongs sind dicht bewaldet. Dort gibt es einsame, weil versteckte Wanderwege, auf denen man so gut wie niemandem begegnet. Regelmäßig verirren sich Spaziergänger in den Bergen Hongkongs und müssen mit Hubschraubern gesucht werden, weil sie sich hoffnungslos verlaufen haben.

Stadt der Widersprüche

In Medienberichten werden Hongkonger immer wieder aufgerufen, genügend Wasser und Nahrung mitzumehmen bei Wandertouren in den Bergen. Wer also einsame Abgeschiedenheit und rekordverdächtige Enge auf einmal erleben möchte: ab nach Hongkong, in die Stadt der extremen Widersprüche!

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