Fang auf dem Forschungsschiff Senckenberg
Fang auf dem Forschungsschiff Senckenberg Bild © hr

Zwei Gewinner der Aktion "hr-iNFO öffnet Türen" durften mit auf das Forschungsschiff Senckenberg. Es untersucht, wie der Klimawandel das Leben in der Nordsee verändert. Unsere Wissenschaftsredakteurin hat die Hörer begleitet und erzählt, wie die Fahrt war.

Drei Mal die 42: Unsere Schuhgrößen hatten wir schon ein paar Tage vorher angeben müssen. So erwarten uns gelbe Gummistiefel und rotes Ölzeug im 'Trockenlabor' an Bord. Dazu gibt es blaue Helme, die wir tragen müssen, solange der Schiffskran in Betrieb ist, um das Fangnetz ins Wassern zu lassen und wieder herauszuziehen. Gleich an der ersten der vier Messstationen, im Wattenmeer, die wir heute ansteuern, erwartet uns reiche Beute: "Was wir hier gefangen haben, ist hauptsächlich Granat, Crangon crangon, das ist die Nordseegarnele, die wir auch auf unseren Krabbenbrötchen wiederfinden", erklärt die Meeresbiologin Julia Meyer, die verantwortliche Wissenschaftlerin an Bord der Senckenberg, des Forschungsschiffes der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung.  Ein wildes Gewusel von Garnelen, Krabben, Krebsen und Fischen ergießt sich auf den Boden des Forschungskutters, nachdem das Netz aufgeknüpft ist.

Regina Oehler (l.) auf der Senckenberg
Regina Oehler (l.) auf der Senckenberg Bild © hr

Und dann machen sich alle ans Sortieren und Zählen – auch wir drei. hr-iNFO-Hörer Henrik Losenhausen ist besonders beeindruckt von den Taschenkrebsen mit ihren kräftigen Scheren, die tatsächlich auch schon mal einen Finger abschneiden können. Deshalb gilt es, sie an der richtigen Stelle anzupacken und dicke Gummihandschuhe zu tragen.

hr-iNFO-Hörerin Susanne Helfrich-Schupp haben es die Schlangensterne angetan. Das sind filigrane Stachelhäuter, die die Meeresbiologin Julia Meyer im 'Nasslabor' genauer bestimmt. Warum ist ihr diese Forschung wichtig? "Um Langzeitveränderungen im Ökosystem anzuschauen, um zu studieren, wie sich die Fauna in den letzten vierzig Jahren verändert hat", sagt sie. Und die Veränderungen sind deutlich: wärmeliebende Arten wie die Scholle werden häufiger, kalt temperierte Arten wie der Hering seltener. Dabei hatte sie doch vorher einen kleinen Hering auf der Hand? Wir haben sein silbernes Schimmern bewundert. "Einen", betont Julia Meyer, "das waren vor ein paar Jahren noch deutlich mehr".

Nachschub für das Meerwasseraquarium

Seit Jahrzehnten sammeln Senckenberg-Forscherinnen und Forscher von Wilhelmshaven aus Daten im Wattenmeer. Diese Daten zeigen, dass es im Jahr 2000/2001 einen Umbruch gegeben hat und dass die Klimaveränderungen für einen 'Regime-Shift' gesorgt haben, wie die Forscher das nennen: "Seitdem können wir einen deutlichen Anstieg an wärmeliebenden Arten beobachten", sagt Meyer.

Zählung auf der Senckenberg
Zählung auf der Senckenberg Bild © hr

Und dazu gehören auch die Strandkrabben und die Schwimmkrabben, die wir an unserem Tag auf der Senckenberg auseinanderhalten und in die richtigen Eimer sortieren lernen. Dann werden sie gezählt: Männchen? Weibchen? Von Parasiten befallen oder nicht? Und schließlich werden sie zurück ins Meer geschüttet - sofern es nicht besonders schöne Exemplare sind, die wiederum in einer weißen Kühlbox verschwinden, die zwei Wissenschaftler vom Landesmuseum Natur und Mensch in Oldenburg mitgebracht haben. Sie suchen Nachschub für ihr Meerwasseraquarium.

Steinpicker und Seedahlien

Mit Zählen, Messen, Staunen scheint sich der Vormittag endlos zu dehnen. Nach dem Mittagessen in der Messe – ein Schiffskoch gehört auch zur Crew – fühlen wir uns dann schon wie Routiniers. "Das ist eine ganz wichtige Arbeit", resümiert Susanne Helfrich-Schupp. "Wenn man mal gesehen hat, welche Daten erhoben werden und wie akribisch man arbeiten muss, um diese Erkenntnisse zu vergleichen, ist das fantastisch."

Die hr-iNFO Hörer nach der Fahrt auf der Senckenberg
Die hr-iNFO Hörer nach der Fahrt auf der Senckenberg Bild © hr

Einsiedlerkrebs, Steinpicker, Seedahlien, zottige Bäumchenschnecken, eine Seespinne – die Liste der Tiere ist lang, die wir gesehen haben und noch einmal vor unserem inneren Auge Revue passieren lassen, während die Senckenberg zurück an den Kai steuert, vorbei am neuen Container-Hafen und an grauen Marine-Schiffen. Bevor wir von Bord gehen, gibt mir Henrik Losenhausen noch einen Dank an das hr-Team mit: "Das war ein einmaliges Erlebnis, das man mit Sicherheit nicht für Geld kaufen kann. Wir haben diesen wunderschönen Tag sehr genossen. Vielen Dank."

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