Der Flügel eines Flugzeugs, das sich gerade im Landeanflug befindet.
Alles Gute kommt von oben? Stimmt nicht immer. Bild © Imago Images

Immer wieder hört man Geschichten von herabstürzenden Flugzeugteilen. Mal sind diese nur ein paar Gramm schwer, manchmal landen aber auch ganze Triebwerksverkleidungen in deutschen Vorgärten. Die Bundesregierung hat nun die Zahlen für die vergangenen zehn Jahre bekanntgegeben.

Er hat das Ganze ins Rollen gebracht: Thomas Weyer aus Mainz-Hechtsheim hatte im Juni ein eineinhalb Meter langes Flugzeug-Dichtungsgummi in seinem Garten gefunden, erzählt er im Hessischen Rundfunk. „Da wurde es mir sehr mulmig. Es war mir klar, wenn so ein Teil einem trifft: mindestens schwerste Verletzungen, wenn nicht sogar der Tod.“

Die Grünen Bundestagsabgeordneten Tabea Rößner aus Mainz und Daniela Wagner aus Darmstadt, deren Wahlkreise in Einflugschneisen des Frankfurter Flughafens liegen, wollten es daraufhin genauer wissen. Wie oft ist es in den vergangenen zehn Jahren vorgekommen, dass Flugzeugteile vom Himmel fallen? Ist dabei schon einmal ernsthaft etwas passiert? Was genau kommt da runter? Sie verfassten eine entsprechende Anfrage an die Bundesregierung.

Ungewöhnlich viele Fälle 2017

Und so sieht die Antwort der Bundesregierung aus: Seit 2008 hat das Luftfahrtbundesamt insgesamt 408 Fälle erfasst. 57 in der zivilen Luftfahrt, 351 beim Militär. In der militärischen Luftfahrt waren die Zahlen zuletzt deutlich rückläufig. Minus 45 Prozent im Vergleich zu 2008. Bei zivilen Flugzeugen wurden 2017 ungewöhnlich viele Fälle erfasst: 13 insgesamt. 2008 waren es nur 3.

Die Grünen sehen eine alarmierende Entwicklung, vermuten, der Preiskampf zwischen den Airlines führe zu weniger Sicherheit. Der Bundesverband der Deutschen Luftverkehrswirtschaft wiederspricht in einer schriftlichen Stellungnahme gegenüber dem ARD-Hauptstadtstudio. "Die höhere Zahl der Einzelfälle im Jahr 2017 ist ein Ausreißer, nicht Ausdruck einer allgemeinen Entwicklung. So waren es im Jahr 2016 drei Einzelfälle, also genauso viele wie 2008", heißt es dort.

Keine Verletzungen bekannt

Die herabstürzenden Teile waren mal klein: 20 Gramm schwere Abdeckklappen, mal groß: 12 Kilo schwere Triebwerksverkleidungen. In einem Fall verlor ein Militärflugzeug Übungsmunition. Erwähnt in der Antwort der Bundesregierung ist auch ein Fall aus dem Jahr 2014, als ein Flugzeug eine 4,5 Mal 1 Meter große Landeklappe verlor, die im Frankfurter Stadtwald einschlug. Unfälle mit schweren oder tödlichen Verletzungen sind der Regierung nicht bekannt.

Luftfahrtexperten nennen die Fälle von herabstürzenden Teilen gemessen am gesamten Flugverkehr verschwindend gering. Die Grünen sagen: Jeder Fall ist einer zu viel – und fordern bessere Kontrollen der Flugzeuge.

Sendung: hr-iNFO, 2.8.2018, 9.20 Uhr

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