Eine Polizeikontrolle von E-Scooter-Fahrern auf dem Frankfurer Opernplatz.

Seit knapp drei Jahren gehören E-Scooter fest zum Stadtbild in Deutschland. Vielen sind die schnellen Flitzer ein Dorn im Auge. Andere raten zu mehr Gelassenheit.

An schönen Tagen düsen sie zuhauf durch die Stadt: Die E-Scooter flitzen nicht nur über Straßen, sondern auch über Gehwege, durch Fußgängerzonen und Parks. Seit das neue Verkehrsmittel zugelassen ist, versucht die Polizei Regeln durchzusetzen wie hier, bei einer Kontrolle am Frankfurter Opernplatz. "Alle Grünanlagen sind tabu und auch alle Fußgängerzonen", erklärt ein Beamter einem E-Roller-Fahrer. "Die einzige Ausnahme ist, wenn es ein zusätzliches Schild gibt mit diesem kleinen E-Roller drauf."

So viele Unfälle wie mit Mofas

Nach zweieinhalb Jahren liegen nun Zahlen zu Unfällen mit E-Scootern vor. Sie liefern noch kein Gesamtbild, aber Ausschnitte – wie die jüngste Zahl der Versicherer. Bei 180.000 zugelassenen E-Scootern wurden 2020 in Deutschland 1.150 Unfälle mit Haftpflichtschaden verzeichnet. So viele wie bei Mofas.

Eine große Gefahr ist dabei das Fahren auf dem Fußgängerweg. Aber nicht nur. "Wir haben das Thema fahren in der  falschen Fahrtrichtung", sagt Siegfried Brockmann, Leiter der Unfallforschung der Versicherer. "Das heißt, man benutzt vielleicht den Radweg, aber eben in der falschen Richtung. Und das führt nicht nur für entgegenkommende Fahrradfahrer, sondern auch für abbiegende Autofahrer zu erheblichen Problemen." Man rechne einfach nicht damit, dass aus dieser Richtung jemand komme.

Häufig ist Alkohol im Spiel

"Und das dritte Thema ist, was wir auch sehr gut in der Statistik sehen können, das Thema Alkohol", so Brockmann. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes, das 2020 alle polizeilich gemeldeten Unfälle gezählt hat, liegt die Unfallzahl sogar über 2.000. Der häufigste Unfallgrund ist das Fahren unter Alkoholeinfluss.

Dabei gilt für E-Scooter die strenge 0,5-Promille-Grenze wie auch beim Autofahren. Doch diese Regeln, sagt der Unfallforscher nach einer Stichprobenstudie, kennen viele nicht. "In unserer Studie kann man sehr schön sehen, dass ein erheblicher Anteil, rund ein Viertel der Scooter-Nutzer, nicht genau weiß, wie die Regeln sind, und sich dann natürlich auch nicht daran halten kann."

Ärzte schlagen Alarm

In einer Studie vom Uniklinikum Essen, die im Januar veröffentlicht wurde, schlagen Unfallmediziner Alarm. Die meisten der Verletzten hätten ihren Unfall gar nicht der Polizei gemeldet. Die Dunkelziffer liege also um einiges höher. Viele Ärzte, darunter auch Thomas Hofmann, leitender Arzt der Notfallambulanz an der Unfallklinik BGU in Frankfurt, wünschen sich deshalb eine Helmpflicht. "Schon anhand dessen, dass die Hälfte der Verletzungen Kopf- und Gesichtsschädel-Verletzungen sind, muss man sich dem anschließen", findet Hofmann.

Fünf Menschen sind 2020 bundesweit bei E-Scooter-Unfällen ums Leben gekommen. In Hessen zum Glück noch keiner. Eine Helmpflicht sieht Unfallforscher Brockmann kritisch, schon allein, weil die Zahlen das nicht rechtfertigen. Er empfiehlt stattdessen: Gute Fahrradwege für alle und dann erst mal abwarten und schauen, ob weitere Maßnahmen benötigt werden.  

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