Menschen gehen mit Mund-Nasen-Schutz über einen Platz in Havanna (Archivbild). ()

Kuba produziert seinen eigenen Corona-Impfstoff. Die Hoffnung: Nicht nur das eigene Volk impfen, sondern auch ausländische Touristen mit der Impfung in das Land zu locken. Ob der Plan aufgeht, zeigt sich erst, wenn der Impfstoff seine Wirksamkeit bewiesen hat.

'Kuba hat einen eigenen Impfstoff. Soberana' – so heißt es in dem Lied, das für das kubanischen Corona-Vakzin wirbt. Im Mai sollen in Havanna die ersten 1,7 Millionen Kubanerinnen und Kubaner im Rahmen einer breit angelegten Studie ihre erste Spritze bekommen. Das Tourismus-Ministerium der sozialistischen Karibikinsel wirbt bereits mit der Impfung unter Palmen. Derzeit sind die weißen Sandstrände coronabedingt aber noch leer.

Argel Nonell Curbelo hat seit Monaten keine Touristen mehr durch Havanna geführt, entsprechend nichts verdient. Er arbeitet für eine staatliche Reiseagentur. "Der kubanische Impfstoff wird dabei helfen, den Virus einzudämmen, das wird man sicher auch im Ausland beobachten", meint er. Das werde den Touristen Vertrauen und ein Gefühl von Sicherheit geben. Dennoch müsse der kubanische Impfstoff natürlich erstmal seine Effizienz unter Beweis stellen. Der Reiseführer hofft auf den Impftourismus. Länder wie Russland machen es bereits vor.

Impfung am karibischen Strand

Allerdings hat Argel von konkreten Plänen der kubanischen Regierung diesbezüglich noch nichts gehört. Dabei hat Kuba Erfahrung mit Gesundheitstourismus. Schon vor der Pandemie nutzten Ausländer den Aufenthalt auf der sozialistischen Karibikinsel, um etwa ihre Netzhaut behandeln oder ihre Zähne machen zu lassen.

Doch bis zur Corona-Impfung am karibischen Strand scheint es noch ein weiter Weg. Die Wirksamkeit des Vakzins Soberana 2, aber auch der zweite in der Phase drei befindliche kubanische Impfstoff Abdala wurde zunächst an über 90.000 Testkandidaten erprobt. Die Familienärztin Griezel Domínguez war eine der Freiwilligen, die sich impfen ließ. Nebenwirkungen hat sie nicht gespürt. Ihren richtigen Namen will sie trotzdem nicht nennen. "Wir verfügen hier über ein extrem wichtiges intellektuelles Kapital. Aber wir haben keine Ressourcen. Trotzdem waren wir in der Lage, den Impfstoff zu entwickeln. Aber für den nächsten Schritt bräuchten wir schon noch Unterstützung", sagt die Ärztin.

US-Embargo auch bei Impfstoffentwicklung ein Hindernis

Und die kommt zum Teil aus der Schweiz. Allein im letzten Jahr unterstützte das Land die kubanische Impfkampagne mit rund 700.000 Dollar. Dafür hatte das Gesundheitsministerium von Kuba einen offiziellen Antrag gestellt. Mit dem Geld sollen Spritzen und die Nadeln dafür beschafft werden. Denn das US-Embargo ist auch bei der Impfstoffentwicklung ein Hindernis, sagt Peter Tschumi, Chef der Schweizer Entwicklungszusammenarbeit auf Kuba: "Gerade unter der vorherigen Administration Trump waren die Einschränkungen noch einmal sehr stark verschärft worden und das betrifft essenzielle Importe für diese Impfungen."

Sobald der Impfstoff zugelassen ist, sollen bis Ende des Jahres zunächst die 11,5 Millionen Kubaner durchgeimpft, insgesamt aber 100 Millionen Impfdosen produziert werden, so der ambitionierte Plan. Sollte die sozialistische Karibikinsel erfolgreich sein, wäre Kuba das erste lateinamerikanische Land mit einem eigenen Corona-Impfstoff. Auch wenn es für den Impftourismus am Ende des Jahres schon zu spät sein könnte, weil die meisten Europäer ihre Spritze dann bereits in ihrer Heimat bekommen haben, sieht Peter Tschumi für den Export durchaus Potenzial. "Gerade Länder mit wenigen Ressourcen kriegen jetzt fast noch keinen Impfstoff, auch nicht von den internationalen Kampagnen. Und von dem her kommt der Impfstoff zur richtigen Zeit, gerade für Lateinamerika", so Tschumi. Die WHO hat bislang noch kein grünes Licht gegeben. Mit einer Zulassung wird in einigen Monaten gerechnet.

Sendung: hr-iNFO Aktuell, 05.05.2021, 12 bis 15 Uhr

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