Sujetbild: Ein Stromzähler zeigt viele Eurozeichen.

In spanischen Haushalten gibt es seit Monaten ein Dauerthema: den Strompreis. Die Megawattstunde wird an den Strombörsen immer teurer – und die Spanierinnen und Spanier spüren das sofort im Geldbeutel. Das könnte in Deutschland schon bald ähnlich aussehen.

Mehrmals in der Woche melden spanische Medien zurzeit einen historischen Höchstpreis für die Megawattstunde an den Strompreisbörsen. Er ist von knapp 40 Euro vor 15 Monaten auf bis zu 220 Euro in der Spitze hochgeschnellt. Damit ist der Strom in der teuersten Tageszeit mehr als fünfmal so teuer wie vor gut einem Jahr.

Und weil die meisten Verbraucherverträge in Spanien den Preis pro Kilowattstunde anders als in Deutschland nicht für 12 oder 24 Monate festschreiben, kommen die Rekordpreise an den Strombörsen ziemlich ungeschminkt bei Verbraucherinnen und Verbrauchern an. Das hat auch politische Reaktionen ausgelöst: Ministerpräsident Pedro Sanchez hat versprochen, die Stromrechnung werde übers Jahr nicht teurer ausfallen als 2018, ein Jahr mit mittelhohen Strompreisen.

 Regierung will gegensteuern

Die Regierung hat die Mehrwertsteuer auf Strom von 21 auf 10 Prozent gesenkt. Außerdem will sie die Energieversorger zwingen, Vergütungen für CO2-Einsparungen an die Verbraucher weiterzugeben. Das sei eine verkappte Steuer und werde vor Gericht keinen Bestand haben, sagen manche Experten – und Energieunternehmen drohten sogar damit, Kernkraftwerke abzuschalten. Das knapper werdende Stromangebot würde die Preise weiter nach oben treiben. Allerdings sagt nun die Regierung: Die Kraftwerke könnten rechtlich nicht einfach abgeschaltet werden.

Auslöser für die Strompreisrally sind steigende Gaspreise. Durch sie steigen die Kosten für die Stromerzeugung vor allem in gasbefeuerten Spitzenlast-Kraftwerken. Windkraftanlagen oder Wasserkraftwerke sind davon zwar nicht betroffen, aber der finale Preis an der Börse für Strom, egal aus welcher Quelle, orientiert sich immer am teuersten Angebot. Die Kritik an diesem System wächst.

Marktverzerrung oder richtiges Signal? 

"Strom aus abgeschriebenen Stausee-Wasserkraftwerken, die keinen Brennstoff brauchen, ist genauso teuer wie der aus Gasturbinen-Kraftwerken", sagt Daniel Carracero von der Organisation “Kritisches Energieforum”. Dieser riesige Profit erzeuge eine massive Marktverzerrung

Andere Strommarkt-Experten wie Jorge Sanz vom Beratungsunternehmen NERA verteidigen das System. Wenn Wasserkraft zum Erzeugerpreis verkauft würde, müsste sie fast kostenlos sein, das würde ein falsches Signal setzen. "Die Verbraucher hätten den Eindruck, dass es Strom im Überfluss gibt, und würden bedenkenlos Strom verbrauchen. Nur: Das Wasser in Stauseen ist zwar kostenlos, aber es ist nur so viel da, wie es regnet. Man kann damit nicht unbegrenzt Strom erzeugen. Wenn der Preis zu niedrig ist, drohen Versorgungsengpässe."

Preissteigerung auch in Deutschland erwartet

Egal, ob sie an die Kraft des Marktes glauben oder ein neues System für die Strompreisbörse fordern, in einem sind sich die Fachleute einig: Die Versuche der spanischen Regierung, die Stromrechnung auf erträglichem Niveau zu halten, sind vor allem Kosmetik.

Und auch in Deutschland müssen sich Stromkunden wohl darauf vorbereiten, dass die Anbieter ihnen demnächst eine Erhöhung der laufenden Tarife ankündigen. Dank Sonderkündigungsrecht könnte sich ein Preisvergleich und Anbieterwechsel dann lohnen.

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