Die von der NASA zur Verfügung gestellte Illustration zeigt den Ingenuity-Hubschrauber auf der Marsoberfläche.

Am Sonntag ist es so weit: Der erste Hubschrauber auf dem Mars soll abheben. Damit würde sich zum ersten Mal ein Fluggerät auf einem anderen Planeten aus eigener Kraft durch die Luft bewegen - wenn alles klappt. Wie das Ganze abläuft und was das Besondere daran ist: ein Überblick.

In einem Animations-Video fliegt der Helikopter schon, unterlegt mit pathetischer Musik. Wie das die NASA halt gerne macht. In diesem Fall passt es aber auch zum Anlass: Wenn alles funktioniert, würde sich zum ersten Mal ein Fluggerät auf einem anderen Planeten aus eigener Kraft durch die Luft bewegen, erklärt Havard Grip, der Chefpilot des Hubschraubers.

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"Der Flug wird auf eine Höhe von drei Metern gehen, dort schweben wir für etwa 30 Sekunden, drehen den Helikopter dabei ein Stück um die eigene Achse - und landen wieder", so Grip. Dabei mache der Hubschrauber laufend Bilder vom Boden, 30 Mal in der Sekunde, um genau zu vermessen, wo er sich befindet. Er könne auch automatisch Windstöße ausgleichen, damit er genau auf Kurs bleibe.

"Perseverance" schickt Bilder zur Erde

Der Flugplan wird vorher im Bordcomputer gespeichert und auf Kommando abgearbeitet. Das muss auch so sein, wegen der großen Entfernung zwischen Erde und Mars. Ein Steuersignal wäre rund 15 Minuten unterwegs. Da kann der Pilot den Hubschrauber nicht einfach "live" lenken, mit einem Joystick. Damit wir auf der Erde auch etwas davon haben, wird das Marsauto "Perseverance" rund 60 Meter weit weg fahren und von dort aus Bilder und Videos machen.

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Der Hubschrauber "Ingenuity", auf Deutsch so viel wie "Einfallsreichtum" oder "Genialität", ist im Februar an Bord des neuen Mars-Rovers "Perseverance" auf dem roten Planeten gelandet. In den vergangenen Tagen wurde er auf dem Boden abgesetzt, alle Systeme geprüft – und nun steht er bereit für seinen ersten Flug

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Diese Bilder zu bekommen, wird gar nicht so einfach, meint Farah Alibay vom Rover-Team. Vor allem, was das Timing angeht: Es gibt mehrere Bord-Uhren, die genau aufeinander abgestimmt werden müssen. Was wir auf diesen Aufnahmen zu sehen bekommen, wird allerdings nicht wirklich an einen großen Hubschrauber erinnern, sondern eher an eine Hubschrauber-Drohne: ein viereckiger Kasten mit Landebeinen darunter und obendrauf zwei gegenläufige Rotoren mit einem Durchmesser von 1,2 Metern. Angetrieben wird der Mars-Helikopter elektrisch, der Akku wird tagsüber mit Solarzellen aufgeladen.

Erforschung unerreichter Orte

Auf der Erde wiegt "Ingenuity" gerade mal 1,8 Kilogramm, erklärt Chefingenieur Bob Balaram: "Die größte Herausforderung war, das Gewicht einzuhalten. Die Anziehungskraft auf dem Mars hilft uns zwar ein bisschen, die beträgt nur etwa 40 Prozent der Anziehungskraft auf der Erde. Aber alles, was zu schwer wird, kann in der dünnen Atmosphäre des Mars einfach nicht fliegen - egal, wie gut die Konstruktion auch sein mag."

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Insgesamt sind in den kommenden Wochen fünf Flüge geplant. Dabei soll der Hubschrauber bis zu fünf Meter hoch kommen und jeweils um die anderthalb Minuten in der Luft bleiben. Spätere Modelle könnten dann Orte auf dem Mars erforschen, die kein anderes Gefährt erreichen würde: tiefe Schluchten etwa oder Krater. NASA-Chefpilot Havard Grip freut sich schon darauf: "Wir benutzen Drohnen und Hubschrauber hier auf der Erde ja auch für alles Mögliche. Stellen sie sich vor, wir hätten diese Fähigkeiten auf dem Mars – und könnten dort einfach herum fliegen."

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Der Raumfahrt-Podcast: WeltraumWagner

Von Asteroiden bis Weltraumschrott: Unser Experte Dirk Wagner präsentiert in der Podcast-Reihe "WeltraumWagner" Wissenswertes aus Raumfahrt und Weltraumforschung. [zum Podcast-Channel]

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Sendung: hr-iNFO Aktuell, 10.4.2021, 9 bis 12 Uhr

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