Inklusion

Home-Schooling ist für viele Kinder nach einem Jahr Pandemie eine große Belastung – insbesondere dann, wenn sie eine Behinderung haben und spezielle Förderung brauchen. Eltern und Lehrkräfte fordern eine bessere Betreuung und fühlen sich vom Staat alleine gelassen.

Lange ausschlafen – das ist einer der wenigen Vorteile, den das Home-Schooling für die Tochter von Alexandra Cremer aus Hanau seit einem Jahr hat. Die 16-Jährige hat eine schwere Körperbehinderung, sitzt im Rollstuhl, kann nicht sprechen und kommuniziert mit ihrer Außenwelt über einen Sprachcomputer, den sie mit den Augen steuert.

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Sie ist Schülerin an einer Förderschule, doch seit einem Jahr sieht der Unterricht für sie so aus: Eine Teilhabe-Assistenz komme jeden Tag zu ihnen nach Hause "und arbeitet mit unserer Tochter die Materialien durch", erzählt ihre Mutter. "Wir fahren einmal in der Woche zur Schule, bringen erledigtes Material dorthin und holen das neue Material ab. Was ich schon bemängelt habe ist, dass es keine Video-Konferenzen gibt."

Pandemie schränkt Rechte ein

Ohne die Unterstützung der Assistenz und vor allem die von Alexandra Cremer und ihrem Mann läuft also gar nichts. "Auch die Vokabeln klimpern wir in den Sprachcomputer ein, damit sie das selbstständig lernen kann. Die Schule unterstützt, wie sie kann, aber das ist leider im Moment unglaublich wenig", schildert die Mutter.

Weitere Informationen

Beratungsstelle für Inklusion

Inklu-Beratung Hessen, www.inklusion-hessen.de

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Laut dem hessischen Kultusministerium schränkt die Pandemie das Recht von allen Schülerinnen und Schülern auf Teilnahme an einem gemeinsamen Unterricht im gewohnten Klassenverband ein. "Davon sind Schülerinnen und Schüler mit Anspruch auf sonderpädagogische Unterstützung in gleichem Umfang betroffen wie alle anderen Schülerinnen und Schüler auch", heißt es in einer Mail des Ministeriums.

Die Lehrerin Silke Henningsen sieht das anders. Sie arbeitet an einer inklusiven IGS (Integrierte Gesamtschule) in Frankfurt und bemängelt fehlende Aufmerksamkeit für Schülerinnen und Schüler mit Behinderungen: "An Abiturienten wird gedacht, damit die ein Abitur haben, was allen Anforderungen genügt, aber dass für andere Kinder die Bedrüfnisse nicht erfüllt wurden, da ist Nachbesserungsbedarf."

Kinder werden vergessen

Gerade an inklusiven Schulen werden die Kinder mit Förderbedarf ihrer Meinung nach oft vergessen: "Das eins-zu-eins in Kontakt stehen, was gerade da, wo Lernschwierigkeiten bestehen, so unglaublich wichtig ist, ist zum großen Teil verloren gegangen", so Henningsen.

Alexandra Cremer und ihre Tochter sind mittlerweile zu ihrer großen Erleichterung geimpft. Wie es für sie nach den Osterferien weiter geht, wissen sie noch nicht, aber sie bleiben optimistisch: "Dann hoffen wir, dass es tatsächlich mit einem Hauptschulabschluss klappt, und was dann beruflich für sie ansteht, das müssen wir schauen."

Sendung: hr-iNFO Politik, 08.04.2021, 20:35 Uhr

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