Lockdown steht auf einer Fensterscheibe eines Einzelhandels geschrieben

Die Corona-Pandemie hat die Wirtschaft in eine tiefe Krise gestürzt. Doch es gab auch Unternehmen, die profitiert haben - und solche, die versucht haben, neue Wege zu gehen. Ein Überblick über die Gewinner und Verlierer des Jahres 2020.

Dieses Jahr war schwierig, sagt der Hessische Handels- und Industriekammertag (HIHK) - und damit ist schon fast alles gesagt. Mehr als jedes dritte Unternehmen hat mindestens ein Viertel seines Umsatzes verloren. Anders dagegen war 2020 für den Online-Handel, die Logistiker oder die Digital-Firmen. Hier waren vor allem Instrumente gefragt, die uns das Arbeiten, Lernen oder Lehren von zu Hause ermöglichen.

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Zum Beispiel Teech aus Darmstadt. "Im Grunde ist Teech tatsächlich ein digitales Klassenzimmer", sagt Joel Monaco von Teech. Also quasi ein "Webconferencing-Tool" ähnlich wie Zoom oder Microsoft-Teams, das aber die "ganzen Business-Aspekte" bewusst außen vorlasse und sich nur auf den Unterricht und die typischen Unterrichtsrituale konzentriere: "das Melden, das drangenommen-Werden, das zur-Tafel-vorgerufen-werden das Aufteilen-in-Tischgruppen und so weiter."

"Zu normalen Zeiten hätte das Jahre gedauert"

Joel Monaco ist einer der Gründer von Teech. Die Corona-Krise hat sein Start-up erst richtig zum Laufen gebracht. Täglich bekommt er neue Anfragen von Schulen für sein Programm – vor Corona war das undenkbar. Die Digitalisierung an Schulen sei schwer, dauere lange, denn es müssten viele Entscheidungsträger überzeugt werden. "Dieser Aufschwung, den wir jetzt in den letzten Monaten erlebt haben - wahrscheinlich hätte es zu normalen Zeiten Jahre gedauert, bis wir das erreicht hätten", sagt Monaco. Doch jetzt hätten die Schulen, die Kultusministerien und die Schulträger Druck, weil von allen Seiten Druck gemacht werde - von Medien, Eltern und Schülern.

Die Krise hat also eine ganze Branche erst losgetreten – die digitale Schule. Andersrum hat die Krise ganze Branchen in finanzielle Not gebracht. Zum Beispiel die Reiseanbieter, die Gastronomie oder den Einzelhandel. Das Problem: Den Firmen fehlt das Geld, sagt Robert Lippmann vom HIHK. "Wer in Kurzarbeit ist, der hat natürlich einen nennenswerten Einkommensverlust, der überlegt sich dann zweimal, ob er beispielsweise einen neuen Fernseher anschafft." Das beschere wiederum dem Elektrogroßhandel Umsatzeinbußen und setze sich fort, weil so auch Zulieferer und verbundene Dienstleister weniger Nachfrage hätten, so Lippmann.

"Raus aus der Comfort-Zone"

Gar keine Nachfrage mehr hatten hingegen die Veranstalter. Martina Adler von der Veranstaltungstechnik-Firma Hessensound aus Eschwege sagt, rund 80 Prozent der Aufträge seien weggebrochen. "Gefühlt wurde von heute auf morgen alles anders", sagt Adler: "Termine, die standen, Events, Festivals wurden nach und nach mindestens verschoben, manchmal direkt auch abgesagt. Sodass auf einmal ein Jahr, was sich angefühlt hat wie jedes andere, plötzlich ganz anders war." Aber auch bei hessensound hat Corona dafür gesorgt, dass sich etwas ändert: Das Unternehmen hat versucht, das Beste aus der Krise zu machen, ein eigenes Festival auf die Beine gestellt, das sich an die Hygiene-Vorschriften gehalten hat – das SoundGarden Open-Air.

Außerdem wurden neue, digitale Veranstaltungskonzepte entwickelt. "Dieses Virus hat uns irgendwo im Griff, hat uns gezeigt und hat jeden mal dahin geführt, wo es wehtut. Nämlich raus aus der Comfort-Zone", sagt Adler. Aber letztlich gehe es immer irgendwie weiter: "Wir sind noch da. Und hoffentlich auch alle irgendwie gesund und dann gibt’s auch immer einen Weg. So schwer das dann vielleicht manchmal ist, den neuen zu gehen." Der neue Weg ins Jahr 2021 – den versuchen derzeit tausende Firmen in Hessen zu gehen. Wie das Neue Jahr werden wird, weiß keiner so genau. Die Hoffnung des Hessischen Industrie- und Handelskammertag liegt auf dem Corona-Impfstoff, sodass die Wirtschaft so schnell wie möglich wieder durchstarten kann.

Sendung: hr-iNFO Aktuell, 23.12.2020, 12 bis 15 Uhr

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