Der Journalist Stefan Wolff steht vor einem Schild mit der Aufschrift Börse Frankfurt
ARD-Börsenjournalist Stefan Wolff Bild © Rüdiger Jurgensen

Vor zehn Jahren ging die Investmentbank Lehman Brothers pleite und löste eine Finanzkrise aus. Wie hat der ARD-Börsen-Journalist Stefan Wolff den Crash erlebt?

Sie rattern wie immer: gleichförmig und unaufgeregt, die Anzeigentafeln mit den Börsenkursen in der Frankfurter Börse. Und so unaufgeregt ratterten sie auch an jenem denkwürdigen Montagmorgen vor zehn Jahren, als der Börsen-Journalist Stefan Wolff zur Arbeit kam. Die gesamte Finanzwelt sei geschockt gewesen, erzählt Wolff. Und die Händler hier auf dem Frankfurter Börsenparkett auch. "Das hab ich natürlich an den Gesichtern gesehen: besorgte Gesichter, besorgte Blicke an die Kurstafel, das Warten auf die ersten Kurse", erinnert er sich.

An keinem anderen Tag habe er den Satz "Das hätte ich nicht gedacht!" so oft gehört wie an diesem einen Tag. Denn damit habe wirklich keiner gerechnet, dass die Lehman Bank fallen gelassen wird, nachdem ja so viele andere Banken vorher schon gerettet worden waren. "Das war die eigentliche Überraschung. Und das konnte man hier in den Gesichtern der Händler auch lesen", sagt Wolff.

Noch nie dagewesen

Geschockt und ungläubig und plötzlich auch misstrauisch, so beschreibt der ARD-Börsen-Fachmann die Stimmung in der Finanzwelt damals. Was es nie zuvor gegeben habe und das Besondere an diesem Tag gewesen sei, war, dass auf einmal niemand niemandem mehr getraut habe. "Man spricht ja auch von der Nacht, als die Märkte eingefroren sind", sagt Wolff. Das habe vor allem für die Kreditmärkte gegolten. Keine Bank habe der anderen mehr etwas leihen wollen. "Das war fast schon erdrückend, diese Stimmung", erinnert sich Wolff.

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Serie: 10 Jahre Lehman-Pleite

Folge 1 - Ex-Anleger: "Es lohnt sich, auf die Straße zu gehen"

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Und wie hat er die Stimmung jenseits des Börsenparketts erlebt? Schließlich kennen und erkennen die Fernsehzuschauer den Mann von den Börsennachrichten, der nicht erst seit 2008 das Auf und Ab der Börse erklärt, auch beim Bäcker oder beim Friseur. "Wenn Menschen krank sind, dann sind Ärzte die liebsten Partygäste, und wenn die Finanzkrise da ist, dann sind Journalisten natürlich die liebsten Gäste, weil man wissen will: Wie geht es jetzt weiter?", sagt Wolff. Zugespitzt seien es diese Fragen gewesen: Was passiert mit meinem Geld? Muss ich mir Sorgen machen? Muss ich mein Geld von der Bank abholen? Ist es da noch sicher? Das seien die Fragen gewesen, die ihm an jeder Ecke gestellt wurden.

Immer für eine Überraschung gut

Fragen, die sich der Finanzfachmann und dreifacher Familienvater dann auch selbst gestellt habe. "Wir haben im Scherz immer gesagt: Wir kaufen uns Hühner, wenn jetzt eine Super-Inflation kommt", sagt er und grinst. "Dann sind wir zumindest sicher, wir haben jeden Tag ein Ei, das kann man mit einem Goldbarren nicht bezahlen. Und natürlich haben wir uns auch ein paar Scheine unters Kopfkissen gelegt, denn sicher ist sicher."

Und täglich rattern die Börsentafeln an Stefan Wolffs Arbeitsplatz. Die Finanzwelt, die hat sich einmal geschüttelt, sagt der Börsen-Moderator, und sie macht weiter wie bisher. Aber seine Arbeit als Journalist an der Börse, die hat sich verändert. Er könne nicht mehr morgens aufstehen und sich sagen, dass er an diesem Tag das und das Thema mache. Etwas käme immer dazwischen. "Früher war es die Lehman-Pleite und die Finanzkrise und die Staatsschuldenkrise, heute ist es Trump mit seinen Zöllen – auch immer für eine Überraschung gut." So kann er sagen, dass das Leitthema seiner Arbeit, wie bei der Lehman-Krise, folgendes sei: "Damit hätte ich jetzt nicht gerechnet."

Sendung: hr-iNFO, 12.9.2018, 6.10 Uhr

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