Armin Laschet und Markus Söder (11. April 2021) (EPA)

Der CDU-Vorsitzende Laschet und CSU-Chef Söder haben sich in der K-Frage der Bundestagsfraktion gestellt. Nach Fairplay sieht das schon längst nicht mehr aus. Dass Kanzlerin Merkel den Mittelfinger reckte, hat aber andere Gründe.

Kandidatenlos beginnt für die Union auch Tag drei nach Söders Coming-out. Sein Platz ist nicht nur in Bayern, sondern gerne auch in Berlin, im Kanzleramt. Da will allerdings auch Armin Laschet hin. Einer muss aber erstmal Kandidat werden - und da beide überzeugt sind, der jeweils Beste zu sein, sollte die Fraktion jetzt mal sagen, was sie so denkt.

 Demontage der CDU-Spitze

Na klar sei das Fairplay gewesen, sagt Armin Laschet. Danach sieht es aber längst nicht mehr aus. Markus Söder hatte am Sonntag erklärt, das Votum der CDU zu akzeptieren - was er dann doch nicht tat und Präsidium und Vorstand brüskierte und Laschet in diese Fraktionssitzung zwang. Was dort passierte, bescherte der politschen Konkurrenz Frühlingsgefühle. Etwa in dem Moment, als Söder sagte, dass es ja wohl nur eine Frage geben könne: "Wollen wir gewinnen?" 60 Abgeordente meldeten sich zu Wort. Es sollen mehr pro Söder gewesen sein. Laschet kommentierte das, wie Laschet so was kommentiert: "Das habe ich so nicht wahrgenommen."

Fakt ist, dass 180 Abgeordnete gar nichts sagten und dass es auch Laschet-Fürsprecher gab. Einer schrieb einen Brief. Friederich Merz ließ seiner Empörung freien Lauf - über Markus Söder. Ob der und seine CSU sich eigentlich klar machten, was es bedeutet, innerhalb von wenigen Wochen den nächsten Parteivorsitzenden der CDU zu demontieren. Eine berechtigte Frage, zumal nicht nur Laschet demontiert wurde, sondern die CDU-Spitze, die hinter ihm steht, gleich mit.

Einigung bis Ende der Woche

Schlimmer noch: Einige aus der CDU riefen laut nach Söder und hinterfragten damit die Qualifikation ihres eigenen Vorsitzenden. Andere wiederum verteidgten ihn gegen Söders Machtattacke. Nach vier Stunden verließen die beiden den Sitzungsssal - getrennt voneinander, und sprachen dennoch von einer guten Diskussion. Söder sogar von Geschlossenheit: "Wir sind beide fest überzeugt, dass wir am Ende zu einem sehr guten Ergebnis kommen werden, das auch die Geschlossenheit herstellen wird und gleichzeitig die besten Wahlchancen bringt."

Um die besten Wahlchancen geht es. Hätte Laschet die Umfragewerte, die Söder verbucht, stellte sich die K-Frage erst gar nicht. Würden einige CDU-Abgeordnete nicht um ihr Bundestagsmandat bangen, wäre Laschet selbstverständlich der Kandidat der gesamten Partei. Söders Stärke speist sich also vor allem aus Laschets Schwäche. Aber Laschet ist zäh, hat Durchhaltevermögen und verstand es schon aus mancher aussichtslosen Situation, als Sieger hervorzugehen. Weiterhin gilt: Laschet und Söder wollen sich untereinander einigen. Spätestens Ende der Woche. Darauf drängt auch Fraktionschef Ralph Brinkhaus.

Die Kanzlerin schweigt

Die Bundeskanzlerin übrigens hat am Dienstag sehr deutlich gesagt, dass sie nichts dazu sagen will. Dass ihr Mittelfinger gestreckt in einer Schiene steckt, ist auf einen Strecksehnenriss zurückzuführen.

 Sendung: hr-iNFO Aktuell, 14.4.2021, 9 bis 12 Uhr

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