Ausgetrockneter Kanal

Starkregen und Überflutungen auf der einen, extreme Dürre und Trockenheit auf der anderen Seite: Seit Jahren kämpfen die Menschen an der US-Westküste mit Wetter-Extremen. Die schrecklichen Bilder der Flutkatastrophe im Westen Deutschlands aber machen klar: Nicht nur auf der anderen Seite der Erde ist das Wetter wütend. Eine Suche nach Verbindungen.

Katharina Wilhelm, ARD-Korrespondentin in Los Angeles, beobachtet die Klimaphänomene an der US-Westküste schon seit Jahren. Gerade ist sie von einer Recherchereise durch Kalifornien zurückgekehrt: „Man sieht den Klimawandel hier fast schon in Echtzeit. Die Probleme, die wir hier haben, die lassen sich alle auf den Klimawandel zurückführen.“

Absackende Ortschaften

Eine der Folgen: Wassermangel. Seit mehr als 20 Jahren schon kämpfen die Menschen im Südwesten der USA zunehmend mit diesem Problem, das vor allem die Landwirtschaft trifft. Mandeln, Pistazien, Tomaten und Melonen brauchen schließlich genügend Wasser, um ordentlich zu wachsen. Im San Joaquin Valley liefern sehr tiefe Brunnen das Wasser für die Landwirtschaft – betrieben mit Hochleistungspumpen. Ohne gehe es nicht, sagen Farmer wie Chuck Dees. Doch die tiefen Brunnen hinterlassen Spuren in der Gegend.

Mandelhain in den USA, der durch Flutung bewässert wird

Katharina Wilhelm berichtet von Ortschaften, die im Jahr bis zu zehn Zentimeter absacken: "Es gibt wirklich wenige kritische Stimmen – obwohl die Auswirkungen krass sind für die Städte. Wenn ein Gebiet über Jahre so weit absinkt, hat das immense Auswirkungen auf Brücken und Wasserwege."

Wasser ist zu Gold geworden

Wasser sei in Kalifornien zu Gold geworden, berichtet Wilhelm. Wenn es dann doch mal regnet, komme das Wasser häufig gleich in Massen – ähnlich wie im Westen und Süden Deutschlands Mitte Juli: „Wenn ein extremer Regenfall kommt, haben wir schnell eine Schlammlawine. Wir hatten schon das Problem von ganzen Städten, die unter Schlammlawinen begraben wurden. Die Bilder können sich durchaus ähneln.“

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Was also bedeutet die große Trockenheit Kaliforniens für uns in Deutschland? Droht hier eine ähnliche Entwicklung? Professor Stefan Rahmstorf vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung vergleicht die Situation an der US-Westküste mit der in Deutschland: "Wir haben eine ähnliche Problematik, dass Starkregen zunimmt und dass Dürreperioden zunehmen. In Kalifornien wirkt sich das besonders krass aus, weil es ohnehin dort besonders trocken ist."

Blick in Deutschlands Zukunft?

Der gemeinsame Nenner der beiden Entwicklungen – sowohl an der US-Westküste als auch in Deutschland, sei die globale Erderwärmung, so Stefan Rahmstorf. Jedoch müssten für ein extremes Wettereignis wie der kürzlich erlebten Hochwasserkatastrophe verschiedene Faktoren zusammenkommen. Die Randbedingungen, die sich durch den Klimawandel verändern, seien nur ein Faktor. Dazu komme der Zufall des Wetters. Beide Faktoren müssten für solche Katastrophen zusammenspielen, so Stefan Rahmstorf: „Man kann aber sagen, dass der Klimawandel solche Extremniederschläge häufiger und schlimmer macht – und, dass er genauso Dürren häufiger und schlimmer macht.“

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