Besucher des Glastonbury-Festivals in Großbritannien, der eine Brille mit dem Schriftzug "Happy" trägt

Optimismus ist eine "zuversichtliche, lebensbejahende Grundhaltung", sagt der Duden - und eine Geisteshaltung, die man sich aneignen kann, sagen Psychologen. Unsere Wissenschafts-Redakteurin Regina Oehler erklärt, wie's geht.

Können wir Optimismus lernen?

Oehler: Optimismus ist in erster Linie eine innere Haltung - also zuversichtlich in die Zukunft schauen, von der Welt, von anderen Menschen und vom ich selber Gutes erwarten -, und trotzdem kann man einiges lernen, was zu mehr Optimismus verhilft. Viele Menschen erlauben sich nämlich genau das Gegenteil: ein inneres Theater im Kopf, das weit weg von Optimismus führt.

Das sind automatische Gedanken, die einem durch den Kopf schießen, wie ‚jetzt musst Du das noch erledigen und das muss jetzt noch fertig werden, das wird nix, das schaffst du nicht.‘ Solche negativen Gedanken schießen uns ungefragt durch den Kopf, die lenken ab, die färben die Stimmung düster und schwächen unserer Energien - und dieses Kopftheater lässt sich abstellen. Da hat zum Beispiel die kognitive Verhaltenstherapie regelrechte Gedankenstopp-Techniken entwickelt.

Optimistische Menschen sind gesünder

Wie funktionieren Gedankenstopp-Techniken?

Oehler: Eigentlich ganz einfach: Man kann schlicht und einfach zum Beispiel laut ‚Stopp‘ sagen, sobald so ein Gedanke auftaucht. Man kann sich auch ein Stoppschild vorstellen oder ein Dreieck mit rotem Rand, wenn einem ein negativer Gedanken durch den Kopf schießt. Man kann einfach mal tief in den Bauch hineinatmen oder man kann andere Gedanken dagegensetzen, zum Beispiel: ‚Ich bin dankbar für das was ich habe und freue mich auf das, was kommt.‘ Und natürlich kann auch Meditation zum Beispiel dabei helfen, den Kopf freizubekommen.

Solche automatischen Gedanken sind aber nur das Eine. Es gibt viele Menschen, die regelrecht bewusst zum Grübeln neigen, also die zum Beispiel jeden Misserfolg wieder und wieder innerlich nacherleben. Und warum dann nicht mal genauso intensiv oder vielleicht lieber noch intensiver über Gelungenes nachdenken? Die Schweizer Psychologin Verena Kast rät deshalb, eine Weile regelrecht ein Freude-Tagebuch zu führen - also Tag für Tag das notieren, was besonders schön war, was einen besonders gefreut hat, was besonders gelungen ist. Das wird zumindest für eine Weile ganz bestimmt das Lebensgefühl verändern.

Wirkt sich Optimismus auf die Gesundheit aus?

Oehler: Auf alle Fälle. Es gibt viele Studien inzwischen, die zeigen, dass optimistische Menschen in vielen Hinsichten gesünder sind und dass sie anscheinend auch länger leben. Dabei ist natürlich jetzt immer die Frage, was ist die Ursache und was ist die Wirkung? Also vielleicht führt der Optimismus auch zu einem anderen Lebensstil, der einfach gesünder ist.

Auf jeden Fall gilt: Menschen, die optimistisch gestimmt sind, die fühlen sich nicht hilflos in ihrer jeweiligen Lebenssituation. Die Psychologen sprechen da von Selbstwirksamkeit - also optimistische Menschen wissen, dass sie die Kraft und die Energie haben, um Verhältnisse zu ändern,  gerade in schwierigen Situationen. Mir persönlich fällt da immer der Vers aus einem alten Kirchenlied ein: ‚Wir machen unser Kreuz und Leid nur größer durch die Traurigkeit.‘ Also: Gerade in schweren Situationen hilft der Optimismus.

Ehrenrettung für den Pessimismus

Sind manche Menschen von Natur aus optimistischer als andere?

Oehler: Es gibt ganz bestimmt genetische Aspekte, eine genetische Disposition. Manche Menschen neigen von vorneherein eher dazu, melancholisch zu sein, vielleicht auch mal depressiv zu werden. Aber die Forschungen zeigen eben auch, dass es einen sehr großen Spielraum gibt. Egal welche Veranlagung ich mitbringe: Eine optimistischere Haltung lässt sich lernen.

Und es gibt noch eine gute Nachricht für alle, die vielleicht eher zur Melancholie neigen: Studien zeigen nämlich, dass wir alle erstaunlicherweise mit zunehmendem Alter optimistischer werden. Und für viele Menschen sei die Zeit zwischen 70 und 80 die emotional befriedigendste Phase ihres Lebens, sagt zum Beispiel die Psychologin Verena Kast.

Ein guter Grund, optimistisch in die Zukunft zu gucken?

Oehler: Ja, auf alle Fälle. Wobei ich denke, wir sollten vielleicht auch eine kleine Ehrenrettung für den Pessimismus vornehmen, nach dem Motto: nichts zu sehr. Eine kleine Prise Pessimismus kann sicher nicht schaden, zu viel Optimismus kann zum Beispiel zu risikofreudig machen und in der Psychologie gibt es auch den Ausdruck ‚defensiver Pessimismus‘. Sich auf das Schlimmste gefasst zu machen, kann manchmal auch helfen, mit Krisen besser fertigzuwerden.

Weitere Informationen

Das Gespräch führte Simone von der Forst.

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hr-iNFO, 28.12.2018, 16:50 Uhr

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