Eine 14-Jährige hält in einem Steinbruch in Burkina Faso einen Metalldraht.

Seit die Schulen in Uganda wegen der Corona-Pandemie geschlossen sind, arbeitet Paul jeden Tag mit seiner Mutter im Steinbruch. Das Geld, das er verdient, spart er, um die Schule weiter zahlen zu können, wenn das Virus unter Kontrolle ist.

Ein Steinbruch unter freiem Himmel, in einem Armenviertel etwas außerhalb von Ugandas Hauptstadt Kampala. Frauen und Kinder bearbeiten Gesteinsbrocken mit einfachen Werkzeugen. Ein Junge füllt die herausgebrochenen Stücke mit bloßen Händen in einen Plastikbehälter.

Einer der jungen Arbeiter ist Paul. Seit die Schulen wegen der Corona-Pandemie geschlossen sind, kommt er jeden Tag hierher. "Wir hatten nichts zu tun. Also haben wir hier angefangen, wo wir Geld verdienen können." Paul ist der älteste Sohn von Irene Anek, die schon lange im Steinbruch arbeitet. Vor Jahren flüchtete sie vor Milizen aus dem Norden Ugandas Richtung Hauptstadt. Seitdem lebt die Familie von der Hand in den Mund.

Ein Euro pro Tag

Die Arbeit im Steinbruch bringt umgerechnet nicht mehr als einen Euro pro Tag – manchmal sogar noch weniger. "Das Geld reicht kaum, um Lebensmittel zu kaufen. Die Preise sind zu hoch. Wir können gerade so überleben", sagt Anek.

Etwa 40 Prozent der Menschen in Uganda leben in Armut. Gleichzeitig verzeichnet das ostafrikanische Land seit Jahren ein stabiles Wirtschaftswachstum – zuletzt von mehr als sechs Prozent. Es wird viel gebaut. Die von Hand kleingeschlagenen Steine sind ein billiges Baumaterial.

Drei Millionen Kinder schon vor Corona

Für ihren niedrigen Lohn setzen die Arbeiterinnen und die Kinder ihre Gesundheit aufs Spiel, sagt eine der Frauen. "Das schlimmste ist, dass wir Schmerzen in der Brust und Probleme beim Atmen bekommen", so Nancy Akello. Das liege am Staub, den sie einatmen. "Außerdem fliegen uns kleine Splitter in die Augen und wir schlagen uns manchmal mit dem Hammer auf die Finger.“

Gerade Kinder verletzen sich häufiger. Offiziell dürfen sie hier gar nicht arbeiten. Aber nachverfolgt wird das in Uganda kaum. Schon vor der Corona-Pandemie mussten etwa drei Millionen Kinder Geld verdienen statt zur Schule zu gehen. Jetzt sind es noch mehr geworden.

"Unsere Kinder werden verdorben"

Mebrah Bamwena, die Leiterin einer lokalen Fraueninitiative, ist besorgt: "Unsere Kinder werden verdorben. Sie erwerben kein Wissen mehr. Man kann ein Kind nicht einfach für ein paar Monate in den Steinbruch schicken, dann vergisst es alles, was es gelernt hat.

Die Schulen in Uganda sollen vielleicht bald öffnen. Paul hofft sehr, dass er dann wieder in seine alte Klasse kann. Aber auch das kostet. Dafür will er etwas von seinem verdienten Geld zurücklegen. "Wir können sparen und wenn das Virus unter Kontrolle ist, gehen wir zurück in die Schule. Falls wir genug Geld haben, um sie zu bezahlen."

Sendung: hr-iNFO Aktuell, 10.9.2020, 12 bis 15 Uhr

Jetzt im Programm