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Zum Artikel Bäckermeister Dries: "Da gewinne ich Stärke draus"

Eine Bäckerin holt ein Brötchen aus dem Regal

In der Corona-Krise fallen für Bäcker wichtige Einnahmequellen weg: Cafés, Catering oder Snacks für die Mittagspause. Es fehlen je nach Lage Touristen oder Laufkundschaft. Wir haben bei der Bäckerei Dries im Rheingau nachgefragt, wie der Familienbetrieb durch die Krise kommt.

Helles Weißbrot, dunkele Krusten im Holzregal, Körnerbrötchen und braunes Laugengebäck hinter der Glastheke: Hier ist nichts knapp. Die Bedienung lächelt, ihre Hände stecken in durchsichtigen Handschuhen. Wenn ihr ein wenig mulmig ist, dann lässt sie es sich nicht anmerken.

Auf den ersten Blick ist alles normal in der Filiale der Bäckerei Dries in einem großen Supermarkt in Eltville. Auf dem Boden sind Marken geklebt: "hier stehen!". So soll jeder ausreichend Abstand halten. Das akzeptieren die Kunden - aber beim Kauf sind sie zurückhaltend, sagt Martin Dries. "Brot ist stark, da haben wir keine Rückgänge. Aber je weniger die Artikel zum Standardkonsum gehören, desto kleiner wird hier der Absatz. Unser gesamter Snackbereich ist um 80 Prozent eingebrochen."

Umsatzeinbußen von 20 bis 30 Prozent

Die Menschen konzentrieren sich auf das Wesentliche? Möglich. Oder sie wollen ihr Geld zusammenhalten, weil sie eine längere Durststrecke befürchten. Für den Familienbetrieb bedeutet das veränderte Kaufverhalten, dass der Umsatz jetzt um 20 bis 30 Prozent zurückgeht. Die Fixkosten aber bleiben, fast die Hälfte davon sind Lohnkosten.

Die sind für das Backhaus erheblich: In der vierten Generation ist der Familienbetrieb zu einem mittelständischen Unternehmen mit vielen Filialen und 340 Angestellten gewachsen. Die Lohnkosten sind der Bereich, in dem Dries auf die Umsatzeinbußen reagieren kann. Aber das will er nur sehr vorsichtig tun.

"Ein großer Kraftakt"

"Wir haben uns jetzt über Jahre hinweg einen Mitarbeiterstamm aufgebaut und den wollen wir auch halten und deshalb müssen wir damit extrem behutsam umgehen", sagt der Geschäftsführer. Er spüre die Verantwortung für seine Leute. Und dennoch muss er jetzt reagieren: staatliche Hilfen, Kurzarbeit oder gar Entlassungen?

"Also zunächst mal habe ich ja auch die gesetzliche Vorgabe, bevor ich überhaupt in die Kurzarbeit gehe, müssen alle Überstunden abgebaut sein, es müssen alle Urlaube bis zu diesem Stichtag genommen worden sein. Da sind wir gerade dran." Die Dienstpläne würden dementsprechend umgebaut. Das alles abzustimmen, sei "ein großer Kraftakt", so Dries.

Opa hat auch nicht aufgegeben

Entmutigen lassen will er sich trotzdem nicht. Seit 1896 gibt es seine Bäckerei. Aus den Erzählung von seinem Opa weiß er, wie schwer die Zeiten im und kurz nach dem Zweiten Weltkrieg waren. Aber die Bäcker haben nie aufgegeben. "Da gewinne ich Stärke draus. Wenn die das damals geschafft haben, dann müsste das für uns heute natürlich auch machbar sein."

Sendung: hr-iNFO Aktuell, 26.3.2020, 6 bis 9 Uhr

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