Mars

Elon Musk will auf dem Mars eine Kolonie für hunderttausende Menschen aufbauen. Die Wissenschafts-Community ist gelinde gesagt skeptisch: Dafür spreche wenig, dagegen umso mehr.

Elon Musk will auf dem Mars eine Kolonie aufbauen. Der Planet biete sich zur Kolonisierung an, meint der Tesla-Chef, weil es dort Sonnenlicht und eine Atmosphäre gebe. Die Tageslänge sei vergleichbar mit der auf der Erde und es sei möglich, Pflanzen zu züchten. Eine Million Menschen will Musk auf den Mars befördern. In weniger als zehn Jahren soll es losgehen.

"Schwieriges Unterfangen"

Der ehemalige Nasa-Wissenschaftler und Professor an Stanford Universität Scott Hubbard bremst allerdings die Euphorie: "Die Unterkünfte werden wohl eher einer Forschungsstation in der Antarktis gleichen, eine begrenzte Zahl von Menschen können dort leben. Musks Visionen sind größer, sie gehen über eine Forschungsstation hinaus. Das scheint mir ein sehr, sehr schwieriges Unterfangen zu sein."

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Hubbard ist beileibe kein Musk-Kritiker. Der 73-Jährige wird von Musk bezahlt. Er sitzt einem Berater-Gremium der Musk Raketen-Firma SpaceX vor, das sich mit Sicherheitsaspekten der Raumfahrt befasst. Alleine der Transport von Menschen und Material zu dem Planeten dauere mehr als ein halbes Jahr. Und die Reise dorthin sei sehr gefährlich. 

Strahlung und extreme Temperaturschwankungen

Auch der deutsche Wissenschaftsblogger Alderamin, der beim Heise Verlag schreibt, sieht die Visionen von Musk eher als Utopien an. Auf der Oberfläche des Mars zu arbeiten sei sehr gefährlich, weil die radioaktive Strahlung extrem hoch sei, meint der Physiker.

Der Mars habe kein Magnetfeld wie die Erde, das heißt die Partikel von der Sonne kämen fast ungebremst auf dem Marsboden an. Dazu komme noch Strahlung aus der Tiefe des Weltalls als kosmische Strahlung. "Man kann sich davor im Prinzip nur entweder durch Bleiplatten schützen, die aber zu schwer sind, um sie zum Mars zu bringen, oder man muss sich irgendwie an dem bedienen, was auf dem Mars vorhanden ist, das heißt in der Erde eingegraben."

"Wissenschafts-Community nimmt Musk nicht ernst"

Heißt: Mars-Spaziergänge dürften eher selten sein. Strahlung und extrem hohe Temperaturschwankungen von bis zu 100 Grad Celsius und mehr machen Exkursionen sehr aufwendig. Er habe großen Respekt vor den Raketenentwicklungen, betont Wissenschaftsblogger Aldemarin, aber in der Wissenschafts-Community werde Elon Musk einfach nicht ernst genommen. Das seien schlicht Utopien.

Das Starship werde sicherlich als Frachtraumschiff tolle Dienste leisten, meint Aldemarin, aber Millionen Menschen auf dem Mars: "Das sieht eigentlich niemand. Es ist ja auch so, dass Musk eigentlich das Taxi zum Mars stellen möchte, aber die ganze Infrastruktur auf dem Mars soll die Nasa stellen." Dabei gehe es um viele hundert Milliarden Dollar, die jemand aufbringen müsse und die sich rechnen müssten.

Mann fürs Grobe

Stanford Professor Scott Hubbard meint, dass die ersten Menschen bald auf dem Mars landen werden. An eine großangelegte Besiedelung glaubt der Stanford-Wissenschaftler aber nicht: "Ich glaube, dass wir bis Ende der 2030er Jahre die ersten Menschen auf dem Mars sehen werden. Also zwischen 2033 und 2039."

Fazit: Wenn es um belastbare Aussagen von Elon Musk geht, dann kann man ihn getrost als Mann fürs Grobe bezeichnen. Er nimmt es weder mit Terminen noch mit der wissenschaftlichen Belastbarkeit seiner Thesen genau.

Sendung: hr-iNFO Aktuell, 22.4.2021, 12 bis 15 Uhr

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