A49-Gegner im Dannenröder Forst

Der Dannenröder Forst ist geräumt und die Rodungen zum Bau der A49 können beginnen. Die Aktivisten werfen den hessischen Grünen vor, ihre Ideale verraten zu haben. Dabei hat gerade das Handeln von Verkehrsminister Tarek Al-Wazir den Grünen geholfen, meint unser Kommentator.

Der Lückenschluss der A49 soll die Menschen verbinden. Dort, wo es seit Jahrzehnten nicht vorangeht. Aber: Er teilt die Generationen auch. Dass für den Bau viele Bäume weichen müssen, findet eine Mehrheit der jüngeren und mittleren Generation falsch. Das sieht aber anders aus, schaut man auf alle Altersgruppen und vor allem auf diejenigen, die sich in Nordhessen bessere Verbindungen wünschen.

Ein Ergebnis, dass der Politik insgesamt zu Denken geben sollte - egal ob der Verkehrsminister ein Grüner ist oder nicht. Halbherzigkeiten, verschleppte Entscheidungen, politische Zwänge, Rechtfertigungen - so etwas kommt bei den Jüngeren zu Recht nicht gut an, egal, woran sich das festmachen lässt.

Aber auch etwas anderes lässt sich aus den Antworten ablesen: Die Ausschreitungen im Dannenröder Forst haben jenen ganz enorm geschadet, die gegen die Rodungen und den Ausbau demonstriert haben. Demonstrieren ja, aber es mit fragwürdigen Aktionen auf die Spitze treiben? Nein. So etwas wird heute noch viel weniger gesellschaftlich toleriert als in früheren Jahren. Davon profitierte am Ende auch der grüne Verkehrsminister Tarek Al-Wazir.

Alles zahlt sich aus

Ohnehin gilt er als der beliebteste Politiker in Hessen - sein Kurs, mit Widersprüchen zu leben, wird ihm abgenommen. Mehr noch: Zu sagen, hier stehe ich und kann nicht anders, wirkt auf eine große Mehrheit der Befragten offenbar auch besonders glaubwürdig. Kompromisse bis an die Schmerzgrenze, nicht unbedingt mit dem Kopf durch die Wand wollen, das alles zahlt sich aus.

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Zum Artikel A49: "Da brennen bei einigen die Sicherungen durch"

Wasserwerfer im Dannenröder Forst
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Dass ihm das alles jetzt nicht auf die Füße fällt, vor allem nicht einem grünen Minister, hat auch damit zu tun, dass er bereit war, in einen sauren Apfel zu beißen. Das ist nicht bequem, gerade das kommt aber gut an. Davon profitieren am Ende die Grünen überhaupt. Ihr Selbstbewusstein in der schwarz-grünen Koalition dürfte jetzt größer werden. Auch mit Blick auf die CDU, die in Wiesbaden mit ausbaden muss, was in Berlin nicht gut läuft.

Sendung: hr-iNFO, 10.12.2020, 9 bis 12 Uhr

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