Symbolbild

Jetzt soll sie also endlich kommen, die Frauenquote in Vorständen großer Unternehmen. Ein netter Anfang, aber kein großer Wurf, findet unsere Kommentatorin.

"Die Quote kommt", twittert Olaf Scholz und die üblichen verdächtigen Quotengegner haben Puls. Aber ruhig Blut, regt euch ab. Das, was Scholz und die SPD den Koalitionspartnerinnen CDU und CSU abringen konnten, ist nicht mehr als ein Quötchen. In Bürokratensprech: Eine Mindestbeteiligung von Frauen in Unternehmen, wenn diese börsennotiert und mitbestimmungspflichtig sind. Und in Normalosprech: In bestimmten großen Firmen muss im Vorstand demnächst eine Frau dabei sein. Eine! In Worten. Eine! Das ist nun wirklich keinerlei Aufregung wert.

Zugegeben: Es ist ein Paradigmenwechsel. Der Staat schreibt Unternehmen vor, dass sich in den Vorständen von Unternehmen Frauen befinden müssen. Das gab es bisher nicht, nicht in Deutschland. So gesehen: Gut. Aber eine Quote ist das nicht, denn eine solche würde einen Anteil festschreiben, also dass 30 oder 40, am besten 50 Prozent aller Vorstandsmitglieder Frauen sein müssen.

Niveau eines Entwicklungslandes

Dazu fehlt aber entweder Mut oder Wille oder schlicht die Erkenntnis, dass das notwendig ist. Was auch immer: Das eine ist so bitter wie das andere. Denn dass Freiwilligkeit nicht funktioniert, ist hinlänglich bekannt – in den letzten Jahren hat sich doch kaum etwas bewegt in den Teppichtetagen der Großunternehmen.

Audiobeitrag

Podcast

Zum Artikel Kommentar Frauenquote: Hoffen, dass die Unternehmen selbst drauf kommen

LED-Logo in Grau das DAX schreibt
Ende des Audiobeitrags

Männer haben das Sagen, sie entscheiden. Thomas fördert in der Regel lieber Thomas, Frank fördert Frank. Ihr Argument: Es gebe nicht genug qualifizierte Frauen. Dass Studien das längst widerlegt haben und andere Staaten es längst besser wissen, wird stur ignoriert. Deshalb liegt der Anteil von Frauen in Führungspositionen in Deutschland noch immer auf dem Niveau eines Entwicklungslandes. Im Land der Dichter und Denker, das man nebenbei bemerkt auch mal umbenennen könnte.

Mehr Frauenpower tut gut

Die Boston Consulting Group hat jüngst belegt, dass Unternehmen mit gemischten Führungsteams – also Männer und Frauen - bessere Gewinne erzielen. Es geht also nicht nur um Frauenförderung und - beteiligung, sondern auch um Unternehmensgewinne. Frauen bringen andere Qualitäten ein als Männer. Dass sich das immer noch nicht hinreichend herum gesprochen und für Konsequenzen gesorgt hat, zeigt die Rückständigkeit der deutschen Unternehmenskultur.

Von den 70 Unternehmen, die vom Gesetz für gleichberechtigte Teilhabe betroffen sind, haben 30 keine Frau im Vorstand. Das soll nicht mehr sein. Wenn der Bundestag zustimmt, wovon auszugehen ist, wird sich was ändern – aber eben nicht viel. Frauen werden ein bisschen beteiligt, sie werden ein bisschen einbezogen, entscheiden werden sie nicht, weil eine allein gegen die männlichen Vorstände nichts ausrichten kann. Bleibt wieder einmal zu hoffen, dass die Unternehmen von selbst drauf kommen, dass ihnen mehr Frauenpower gut tun würde.  Oder dass endlich eine Quote kommt, die den Namen verdient.

Weitere Informationen

Der Kommentar gibt die Meinung der Autorin wieder, nicht die der Redaktion

Ende der weiteren Informationen

Sendung: hr-iNFO Aktuell, 7.1.2020, 12-15 Uhr

Jetzt im Programm