Ein Brief wird in einen Briefkasten geworfen

Wirtschaftsminister Altmaier will prüfen, ob die Post nur noch an fünf statt an sechs Tagen kommen soll. Das ist hoffentlich nur der Anfang, meint unser Kommentator.

Vielleicht kommt der Briefträger montags bald nicht mehr, weil am Wochenende besonders wenig verschickt wird. Der Brief stirbt. Ich finde: endlich. Das Wirtschaftsministerium überlegt jetzt, die Anforderungen für die Post zu senken. Fünf Brieftage pro Woche statt sechs, auch das Europarecht spricht nur von mindestens fünf. Deutschland aber hängt am Brief und tut damit aktuell mehr, als es müsste.

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Die wirtschaftliche Realität ist aber eine andere geworden: Es lohnt sich einfach nicht mehr für die Post, so oft Briefe zuzustellen wie früher. Pakete boomen, aber Briefe schreibt kaum noch einer. E-Mails, WhatsApp, Instagram - das geht viel schneller. Es kostet nichts, der Aufwand ist klein, ich muss nicht extra Papier dafür kaufen und ich habe alle meine -  wenn man so will - digitalen Briefe jederzeit dabei und kann sie mit einem Fingerdruck gleich noch mal an jemand anders schicken.

Besser für Umwelt und Portemonnaie

Die Digitalisierung frisst das Analoge - und hier ist das gut so. Für die Umwelt vor allem. Auf Arbeit werde ich immer noch zugebombt mit Papier-Einladungen für Events und mit Jahresberichten von Verbänden und Unternehmen. Und viele kriegen nach Hause dauernd noch Werbung in den Briefkasten, am besten noch in Plastik eingeschweißt. Warum? Was für eine sinnlose Ressourcenverschwendung. Und wie viel Porto dafür draufgeht.

Fünf Tage Post pro Woche statt sechs, das ist wahrscheinlich nur der Anfang. Wie die Zukunft aussieht, das zeigt Dänemark: Nur noch ein Mal pro Woche kommt da der Briefträger, weil alles digital verschickt wird. Digitale Behördenbriefe sind sogar Pflicht. So weit könnten wir auch schon sein, wenn die Bundesregierung die Digitalisierung der Verwaltung nicht so wahnsinnig verpennt hätte.

Starthilfe für Ältere

Alles nur noch digital. Wie schrecklich!, werden jetzt einige sagen. Ältere Menschen werden dadurch abgehängt. Die Erfahrung aus Dänemark aber zeigt, dass das nicht so sein muss. Dort checken Ältere besonders zuverlässig ihr digitales Postfach. Viel zuverlässiger auch als 16-Jährige, bei denen das Behörden-Mailpostfach im digitalen Dauerbeschuss untergeht.

Der Staat gibt den Älteren in Dänemark digitale Starthilfe, und auch die durchdigitalisierten Enkel könnten helfen. Ein Generationenprojekt. Davor muss man keine Angst haben. Und aus Nostalgie einen guten alten Brief schreiben, das ist ja auch in Zukunft nicht verboten. Es wird nur sehr teuer. Die Umwelt freut sich, und wir sollten uns mit freuen.

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Der Kommentar spiegelt die Meinung des Autos und nicht die der Redaktion wider.

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hr-iNFO Aktuell, 2.8.2019, 9 bis 12 Uhr

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