Die Flagge der Europäischen Union weht vor einem grauen Himmel in der Luft

Die Corona-Pandemie stellt auch die Europäische Union vor Herausforderungen. Es geht um die Rettung von Flüchtlingskindern, um Geld für die vom Virus Gebeutelten. Es ist eine Bewährungspobe - in der die EU aber keine gute Figur macht, wie unser Kommentator findet.

Geschlossene Grenzen, Gerangel um medizinische Schutzausrüstung, Streit ums Geld. Nein, das sieht alles nicht wirklich gut aus. Man könnte es auch so sagen: Die Europäische Union bietet gerade ein jämmerliches Bild. Sogar die Rettung von ein paar hundert Kindern aus den menschenunwürdigen Flüchtlingslagern in Griechenland kommt nur stockend voran – und kein Mensch weiß, warum.

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Das Coronavirus frisst sich in der Zwischenzeit durch die gesamte Gesellschaft. Die Seuche ist längst nicht mehr nur eine Gefahr für die Gesundheit. Sie bedroht unseren Wohlstand – und damit den Zusammenhalt Europas. Wie schnell alte Gräben wieder aufbrechen, hat die ergebnislose Hängepartie Dienstagnacht genauso deutlich gemacht wie die Webfehler der EU, die bei Finanzfragen wie den umstrittenen Corona-Bonds nur einstimmig entscheiden kann.

Die Zeit drängt

Die besonders von der Pandemie gebeutelten Länder im Süden Europas mit ihren sowieso schon hohen Schuldenbergen fühlen sich im Stich gelassen. Die reichen Wirtschaftsnationen im Norden wollen aber nicht für andere haften. Der Zank um gemeinsame europäische Schulden ist inzwischen hochemotional – und wird sich deshalb bis Donnerstag kaum lösen lassen. Dabei drängt die Zeit. Viele Unternehmen stehen vor dem Abgrund, Millionen Menschen sorgen sich um ihre Existenz.

Ein Sicherheitsnetz muss her, und zwar schnell. Die EU sollte sich daher auf das Machbare konzentrieren. Günstige Kredite für Staaten und Betriebe zum Beispiel, kombiniert mit einem europäischen Kurzarbeitergeld. Dazu, als Kompromiss, ein gemeinsam finanzierter Topf für Investitionen, um die Wirtschaft wieder in Schwung zu bringen. Über alles andere kann und muss dann später geredet werden. Mitten in einer Jahrhundertkrise sind Emotionen nämlich kein guter Ratgeber.

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Sendung: hr-iNFO Aktuell, 08.4.2020, 12 bis 15 Uh

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