Kultusminister Alexander Lorz

Ein Jahr lang hatte der hessische Kultusminister Lorz den Vorsitz der Kultusministerkonferenz inne. Viel Zeit also, um Impulse zu liefern. Aber wie viel konnte er bewegen? Nicht genug, findet unser Kommentator.

Aus meiner Sicht war das zu wenig. Hessens Kultusminister Alexander Lorz hatte ein Jahr die Chance, Themen zu setzen, Prioritäten deutlich zu machen. Als Vorsitzender der Kultusministerkonferenz KMK. Lehrermangel ist das Top-Thema an Deutschlands Schulen. Nur nicht für die Kultusministerkonferenz. Die führt unter Lorz Vorsitz Monate lang Debatten über einen nationalen Bildungsrat, der die KMK beraten soll – am Ende aber lieber doch nicht.

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Zum Artikel Lorz (CDU): "Man hat immer schon mit Quereinsteigern gearbeitet"

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Sehr viel sinnvoller wäre es gewesen, sich gewissenhaft an die Verbesserung der eigenen Prognosen für den Lehrerbedarf zu setzen. Die liegen fast schon traditionell daneben und Kultusminister Alexander Lorz und seine Kolleginnen und Kollegen tun fast so, als sei das eine Naturgewalt und leider gar nicht zu ändern.

Uneinheitliche Berechnung

Dabei sagen ihnen ernstzunehmende Wissenschaftler: Doch, man kann das besser machen. Zum Beispiel, indem alle Bundesländer den Lehrerbedarf endlich mal nach einem einheitlichen Modell berechnen. Zum Beispiel, indem der zusätzliche Lehrerbedarf  für den Ausbau der Ganztagsschulen in die Prognosen mit einbezogen wird.

Stattdessen kalkuliert jedes Kultusministerium weiterhin nach eigener Berechnungsmethode – Schüler, Eltern und Lehrer dürfen es dann ausbaden.

Wichtige Impulse versäumt

Der Vorsitzende einer Kultusministerkonferenz kann zumindest versuchen, Themen zu setzen, Prioritäten zu markieren. Akuter Lehrermangel und bessere Prognosen zählten für den KMK-Vorsitzenden Lorz offenbar nicht dazu.

Die Qualifizierung derjenigen, die den Lehrermangel ausbügeln sollen, anscheinend auch nicht. Das Stichwort hier lautet: Quereinsteiger. Die Zahl der Quereinsteiger in den Lehrerberuf wächst rasant. Dazu gehören auch Akademiker ohne jegliche pädagogische und didaktische Vorbildung.

Unter dem Strich: Ungenügend

Da versuchen sich also engagierte und motivierte Menschen in einem Mangelberuf. Man sollte meinen, dass ihnen die Kultusminister bundesweit jede nur denkbare Vorbereitung und Unterstützung zukommen lassen. – In Hessen nicht. In Hessen beginnen jetzt Anfang Februar die ersten Unterstützungsangebote für solche Quereinsteiger. Das heißt, bisher bekamen die Quereinsteiger gar keine Vorbereitung oder Fortbildung, sie wurden einfach so in die Klassen geschickt.

In der Kultusministerkonferenz sieht man auch keinerlei Anlass, sich auf ein bundesweites Konzept für die Qualifizierung von Quereinsteigern zu einigen. Auch da bosselt jedes Bundesland für sich herum.

Deshalb, meine ich, war der hessische Vorsitz bei der Kultusministerkonferenz einfach zu wenig.  

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Sendung: hr-iNFO Aktuell, 16.01.2020, 9-12 Uhr

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