Imago Eintracht Choreo II
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Nach dem 4:1-Sieg in der Europa League gegen Donezk gibt es neben Freude auch Frust: über die Polizeiaktion im Stadion und die deshalb abgesagte Fan-Choreografie. Dabei hätten beide Seiten ihre eigenen Ziele über die Sache gestellt, meint unser Kommentator.

Die Frankfurter Polizei durchsucht die Räume von Eintracht-Fans im Stadion - dreieinhalb Stunden vor dem Spiel gegen Donezk. Weil Eintracht-Präsident Fischer sich in einem missverständlichen Interview ein brennendes Stadion wünschte. Das kann man rechtlich wahrscheinlich so machen. Von wegen Anfangsverdacht. Doch eines geht hier vor die Hunde: nämlich die Verhältnismäßigkeit.

Die szenekundigen Polizeibeamten mussten wissen, dass in Sachen Pyro von den Fans im Stadion nichts  geplant war. Dieses Wissen wurde geflissentlich beiseitegeschoben. Hintergrund für die Polizeiaktion im Frankfurter Stadion ist ein Kleinkrieg zwischen Eintracht Frankfurt und der Fangruppierung Ultras auf der einen Seite und Hessens Innenminister Peter Beuth auf der anderen. Beuth, der vor kurzem Haftstrafen für Pyro-Zündler im Stadion forderte; Beuth, der das Darmstädter Innenstadtverbot für Eintracht-Fans vor 2,5 Jahren als "wohlüberlegt" bezeichnete.

Beuth will sich als harter Hund profilieren

Beuth will sich politisch als harter Hund profilieren. Nur mit seiner Rückdeckung konnte die Frankfurter Polizeiführung die Aktion im Eintracht-Stadion durchziehen. Menschen stellen ihre eigenen Ziele über die Sache. Das ist hier im Fall von Innenminister Beuth und seinem Kleinkrieg gegen die Eintracht so.

Aber auch die Ultras Frankfurt und die Macher der gestrigen Fan-Choreografie handeln so. Keine Fangruppierung ist wichtiger als der Verein oder das Spiel selbst. Die Wut über die Polizeiaktion ist verständlich, auch scheinen Teile der Choreografie bei der Durchsuchung kaputtgegangen zu sein. Deshalb aber die gesamte Fan-Choreografie, auf die sich knapp 50.000 Zuschauer im Stadion gefreut hatten, komplett abzusagen: Auch das ist unverhältnismäßig und wurde von vielen Fans im Stadion genervt aufgenommen.

Die Fronten sind mal wieder verhärtet. Keine gute Entwicklung. Beuth Vorgänger Boris Rhein handelte klüger. Er traf sich mit den aktiven Eintracht-Fans und beruhigte so die Lage. Peter Beuth scheint andere Wege zu gehen. Bleiben auch die Eintracht-Fans unnachgiebig, ist der nächste, vielleicht ernstere Vorfall nur eine Frage der Zeit.

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Sendung: hr-iNFO, 22.2.2019, 12:30 Uhr

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