Impfung

Eine Impfpflicht ist nicht nur unnötig, sondern auch kontraproduktiv, meint unsere Kommentatorin. Es brauche etwas anderes, um sinkende Impfzahlen wieder anzukurbeln.

Eine Impfpflicht einzuführen, ist der falsche Weg. Gut, dass die Bundesregierung eine Impfpflicht nach wie vor ablehnt. Ganz abgesehen davon, dass es rechtlich heikel ist, in das Grundrecht auf körperliche Unversehrtheit einzugreifen – Impfen muss aus Überzeugung und nicht aus Zwang geschehen.

Es braucht mehr Engagement

Ja, es stimmt, viele Impfgegner denken offenbar nur bis zur eigenen Nasenspitze und oft ist ihre Haltung schwer nachvollziehbar. Aber mulmige Gefühle und Unbehagen lassen sich nicht durch Zwang beseitigen. Unwissen lässt sich dagegen ausräumen.

Deswegen braucht es noch viel mehr Engagement, die Impfkampagne anzukurbeln, die Skeptiker zu überzeugen und mit Vorurteilen und Vorbehalten aufzuräumen. Nein, eine Corona-Impfung mit mRNA-Vakzinen verändert nicht das Erbgut. Langzeitfolgen einer Impfung sind unwahrscheinlich, aber viel wahrscheinlicher bei einer Corona-Erkrankung.

Impfung zu den Menschen bringen

Was es aber vor allem braucht, das sind effektive Maßnahmen, die die Impfung zu den Menschen bringt. Denn laut dem RKI will sich nach den neuesten Umfragen die Mehrheit der Bevölkerung – also über 80 Prozent – in allen Altersgruppen impfen lassen.

Sie tun es bloß nicht: weil sie nicht zum Arzt gehen, weil sie sich nicht darum kümmern, weil sie zu bequem sind. Und es war auch über einen längeren Zeitraum an vielen Stellen kompliziert. Es ist also richtig, niedrigschwellige Angebote zu schaffen, sei es die Impfung auf dem Supermarktplatz, auf dem Sportplatz, in der Kirche oder der Moschee.

Öl ins Feuer der Impfskeptiker

Vielleicht lässt sich hier dann doch noch etwas von Frankreich abschauen: Nachdem Präsident Macron gesagt hat, dass man schon bald einen Test oder eben eine Impfung braucht, wenn man ins Theater oder Kino will, in die Bahn steigt oder ins Restaurant geht, haben sich fast eine Million Franzosen einen Impftermin geholt. Scheinbar brauchten sie diesen kleinen Motivationsschub.

Ein genereller Impfzwang dagegen schürt Misstrauen und Unbehagen. Er würde Unsichere verschrecken und wäre Öl ins Feuer der Impfskeptiker. Eine Mehrheit der Bevölkerung ist bereit, sich impfen zu lassen. Deutschland braucht keine Impfpflicht - zum Glück!

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Der Kommentar spiegelt die Meinung der Autorin nicht die der Redaktion wider.

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