Moschee
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Einige Politiker der GroKo wollen eine Moschee-Steuer. Die Diskussion ist scheinheillig, sagt unsere Hauptstadt-Korrespondentin. Warum das nicht funktionieren kann.

Die Diskussion um eine Moschee-Steuer jetzt an Weihnachten finde ich scheinheilig. Genauso den Grund, warum Unions- und SPD-Politiker für die Moschee-Steuer sind. Sie wissen ganz einfach nicht, wie sie den radikalen Einfluss auf die Moscheen aus dem Ausland anders abstellen können. Es gibt zahlreiche Hinweise auf Spionagefälle im Auftrag der türkischen Regierung. Seit dem gescheiterten Militärputsch in der Türkei gilt der Moscheeverband DITIB als verlängerter Arm Erdogans – ein Problem. Viele Jahre lang war es uns aber ganz recht, dass sich die Türkei um die Muslime in Deutschland gekümmert hat. Auf einmal interessiert es uns, was in den Moscheen passiert.

Etwas spät, aber natürlich richtig. Nur die Lösung soll die Moschee-Steuer sein. Die Mutmaßung ist: Bezahlen die Muslime ihre Moscheen und Imame selbst, trennen sie sich vom Einfluss aus der Türkei oder Ägypten oder Saudi Arabien. Nur lässt sich die Kirchensteuer nicht so einfach zur Moschee-Steuer machen. Denn Moschee ist nicht gleich Kirche. Moscheen sind offen, jeder ist willkommen. Die Mitglieder werden nicht gezählt. Deshalb weiß auch keiner genau, wie viele Muslime in welche Moschee gehen. Es gibt außerdem muslimische Vertreter, die sagen, das Spenden von Geld muss eine aktive Handlung sein. Eine Steuer würde einfach so vom Konto abgezogen werden. Das widerspreche den Lehren des Islams.

Brücken bauen

Hinzu kommt: Die Kirchen sind perfekt organisiert. Es gibt klare Ansprechpartner – ganz anders bei den Muslimen. Bundesinnenminister Horst Seehofer verzweifelt daran, welche muslimischen Vertreter er zum Neujahrsempfang einladen soll. Die Muslime sagen: "Na uns alle." Der Bundesregierung wäre es einfacher lieber. Nur, so einfach ist das leider nicht. Ganz stark bezweifle ich auch, dass sich radikales Gedankengut mit der Moschee-Steuer so einfach verbannen lässt. Denn das kommt nicht nur über die aus dem Ausland finanzierten Freitagspredigten nach Deutschland, sondern längst auch über das türkische Fernsehen, Facebook und Erdogan selbst. Und dass deutsche Muslime darauf anspringen, hat doch vielmehr damit zu tun, dass sie sich nicht als Deutsche angenommen fühlen, als damit, dass die Imame aus der Türkei bezahlt werden.

Wünscht man sich liberalere Muslime, muss man Brücken bauen und ihnen klarmachen, dass sie Teil der deutschen Gesellschaft sind. Aber auch sagen, wo der politische Islam seine Grenzen hat. Zu sagen, die Moscheen brauchen eine deutsche Struktur, ist ein guter Ansatz. Aber wer jetzt eine schnelle Einführung einer Moschee-Steuer fordert, versteht weder die Muslime in Deutschland, noch wie Integration funktioniert.

Sendung: hr-iNFO, 27.12.2018, 16.45 Uhr

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