Polizistinnen sichern an einem Tatort in Leipzig Spuren. (dpa)

Die Corona-Pandemie verschärft die Polarisierung und Verrohung der Gesellschaft. Das zeigt nicht zuletzt die Zunahme politisch motivierter Gewalt. Doch nicht nur der Staat ist verantwortlich dafür, solche Grenzüberschreitungen zu bekämpfen. Wir alle sind es.

Die Tage war ich sehr schockiert, da hat RKI-Präsident Lothar Wieler in einem Interview geschildert, wie er angegriffen wird: Der Hass gegen ihn ist so groß, dass er sich nicht mehr in den öffentlichen Nahverkehr trauen kann. In der Corona-Pandemie verschärft sich die Entwicklung der letzten Jahre: eine zunehmende Polarisierung und Verrohung der Gesellschaft. Extremisten trauen sich immer mehr.

Die Zahlen aus der Statistik für politisch motivierte Straftaten zeigen das. Noch nie hat es so viele rechtsextremistische Straftaten gegeben wie jetzt, die links motivierten Gewalttaten haben sehr stark - um 45 Prozent - zugenommen, die antisemitisch motivierten Straftaten um 15 Prozent. Diese Zahlen müssen uns aufwecken.

Für viele gibt es keine Grenzen mehr

Die Bundesregierung hat zahlreiche Maßnahmen beschlossen. Längst hat die Politik auch erkannt, dass Hasskommentare im Netz zu Gewalttaten führen. Nur verbessert haben die politischen Maßnahmen bisher wenig, eher nichts. Dabei - hätten nicht allein die politischen Diskussionen schon zu einer Sensibilisierung führen müssen?

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Zum Artikel Politisch motivierte Gewalt: Rechtsextremismus und Rassismus ernsthaft begegnen

Ein Hakenkreuz und ein durchgestrichener Davidstern sind an einer Gedenkstätte in Berlin zu sehen.
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Impfgegner und Corona-Leugner tragen gelbe Judensterne auf Corona-Demonstrationen. Immer häufiger werden Mandatsträger und Journalisten angegriffen. Für viele gibt es keine Grenzen mehr.

Jeder von uns ist verantwortlich

Es braucht mehr Polizei. Es muss härter durchgegriffen werden. Die Strafverfolgung muss schneller gehen. Aber nicht allein der Staat ist verantwortlich dafür, die Grenzen zu verteidigen. Jeder von uns ist das.

Das geht nur, indem wir Haltung zeigen. Kritik zu äußern am Robert-Koch-Institut, an den Corona-Maßnahmen ist legitim – aber Lothar Wieler zu bedrohen nicht. Diese Grenze müssen wir verteidigen.

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Der Kommentar spiegelt die Meinung der Autorin und nicht die der Redaktion wider.

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Sendung: hr-iNFO Aktuell, 5.5.2021, 6 bis 9 Uhr

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