Einwanderungsstatistik (picture alliance)

Vollständig Geimpfte sollen grundsätzlich wieder in die Europäische Union einreisen können - auch wenn die epidemiologische Lage in ihrer Heimat nicht gut ist. Das sei ein angemessenes und richtiges Signal, meint unser Kommentator. Denn freies Reisen sei auch ein Gebot der Menschlichkeit.

Es ist ein erster, wenn auch recht zaghafter Schritt, um das Reisen in Europa und der Welt wieder auf Touren zu bringen. Und es ist keiner, mit dem man nun ein weiteres Befeuern der pandemischen Situation befürchten müsste. Auch nicht der pandemischen Situation in der EU. Denn was schlägt die Kommission vor? Nichts weiter, als dass vollständig geimpften Menschen wieder der Grenzübertritt in die Europäische Union ermöglicht wird – und zwar unabhängig davon, aus welchem Teil von diesem Globus, aus welchem Land sie sind.

Kein Grund, Geimpfte draußen zu lassen

Bisher dürfen Reisende kommen, wenn sie aus epidemiologisch vergleichsweise sicheren Staaten einreisen, etwa aus Neuseeland, Südkorea oder Australien. Jetzt also soll nicht mehr das entscheidendes Kriterium sein, sondern der Impfstatus. Das ist gut so. Denn es gibt keinen Grund, immunisierte Personen draußen zu halten. Alle belastbaren Studien deuten mit großer Wahrscheinlichkeit darauf hin, dass Geimpfte nicht nur kaum noch erkranken, sondern dass sie auch praktisch kein Risiko mehr sind, wenn es darum geht, andere anzustecken.

Und: Bisher wird den Impfstoffen insgesamt eine Wirkung gegen mutierte Virus-Varianten bescheinigt, auch das lässt diese Brüsseler Absicht verantwortbar erscheinen. Falls sich daran etwas ändert, kann man neu entscheiden und im Zweifel die Außengrenze der EU wieder schließen.

Ein erstes Signal

Ob sich damit auf Dauer mutierte Corona-Formen fernhalten lassen von den Staaten der EU und aus dem Schengen-Raum, ist eine andere Frage, aber die muss die EU auch gar nicht beantworten. Jetzt geht es vielmehr darum, ein erstes Signal zu setzen. Das Signal nämlich, dass Reisen – auch über große Strecken – wieder möglich werden soll und möglich werden muss. Diese Welt und ihre Menschen sind eng miteinander verbunden. Es gibt Familien, die sich seit Monaten oder länger nicht mehr gesehen haben, weil sie am jeweils andere Ende der Welt leben. Freies Reisen ist insofern auch ein Gebot der Menschlichkeit.

Und: Reisen dient auch dazu, Andere und Anderes Kennenzulernen, Ressentiments abzubauen, die Welt als eine Welt zu begreifen. Es wird wieder Zeit, das möglich zu machen. Die EU macht einen Schritt in diese Richtung. Vorsichtig und der Situation angemessen. Ein Schritt, der Hoffnung macht auf mehr. Wenn es soweit ist.

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Sendung: hr-iNFO Aktuell, 4.5.2021, 12 bis 15 Uhr

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