Menschen spazieren während des Sonnenuntergangs bei frühlingshaften Temperaturen auf dem Tempelhofer Feld.

Die Freude über den Frühling ist in diesem Jahr nicht ungetrübt: Das schöne Wetter könnte zu Leichsinn und damit zu mehr Infektionen führen. Doch statt nur immer weiter vor der dritten Welle zu warnen, sollte die Politik den Menschen eine Perspektive geben. Nur so können sie das durchhalten, was nach wie vor notwendig ist.

Merken Sie es auch: Wie ein bisschen Sonnenschein das ganze Land wieder aufmuntert? Wie die Menschen nach draußen strömen von Hamburg bis München, voller Sehnsucht nach ein bisschen Abwechslung, nach Freude und Begegnung? Ja, es gab am Wochenende viele, die da sehr eng beieinander waren, aber die meisten haben sich Mühe gegeben, in der Menge Abstand zu wahren. Je mehr Frühling kommt, desto weniger werden die Menschen sich das nehmen lassen nach den grauen Lockdown-Wochen.

Hoffnung schüren trotz dritter Welle?

Vielleicht hat auch die Kanzlerin am Wochenende einen Spaziergang in der Sonne genossen. Sie muss sehen, dass viele Bürgerinnen und Bürger mit den Nerven runter sind, dass die Zustimmung zur Corona-Politik der Bundesregierung sinkt, dass der Druck aus der Opposition, der Wirtschaft, der Gesellschaft wächst. Bislang hat die Naturwissenschaftlerin Merkel agiert mit Dauerwarnungen vor Inzidenzzahlen, Ansteckungsraten und exponenziellem Wachstum.

Ja, eine dritte Welle durch Corona-Mutationen ist möglich, die Zahlen müssen uns Sorgen machen. Darf man da Hoffnungen schüren? Ich glaube, es geht gar nicht mehr anders: Eine Perspektive ist nötig. Meiner Meinung nach ist es besser, die Energie der Menschen in vernünftige Kanäle zu leiten als immer mehr Draußen-Gedränge in Kauf zu nehmen, weil die Leute sonst nichts tun können. Wohlgemerkt: Wir sprechen von vorsichtigen Schritten – nicht von Öffnungsdiskussionsorgien!

Kein Lockern nach Plan, aber eine Perspektive

Ein Hauch von Frühling verheißt einen Hauch von Aufbruch – den sollten wir auch in der Pandemie wieder spüren dürfen. Das heißt nicht: Lockern nach Plan, egal was das mutierte Virus tut. Ich kenne so viele Menschen, die seit einem Jahr auf Abstand leben, die vorsichtig sind, die sich verantwortungsvoll an die Corona-Maßnahmen halten und einen hohen persönlichen Preis dafür zahlen – ich glaube, es ist die schweigende Mehrheit. Aber auf die kommt es an und die hält nur durch, wenn sie sich wieder auf etwas freuen darf. Also: Perspektiven, ja bitte!

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 Sendung: hr-iNFO Aktuell, 23.2.2021, 6 bis 9 Uhr

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