Impfzentrum in der Frankfurter Festhalle

Die Corona-Impfzentren kosten die Steuerzahler Geld - ob sie leer oder voll sind. Eine Kostenkontrolle gibt es nicht. Es sei höchste Zeit, das zu ändern, meint unser Kommentator. Andernfalls sei abzusehen, dass der Rotstift in anderen Bereichen des Gesundheitssystems umso brutaler angesetzt werde.

Seit Jahren regiert der Rotstift im Gesundheitswesen. Niedergelassene Ärzte und Krankenhäuser müssen nachweisen, dass ihre Behandlungen nicht mehr kosten als anderswo. Vergleichbarkeit durch Kennziffern, also durch Durchschnittskosten für eine Blinddarm-OP oder eine Zahnbehandlung, soll dafür sorgen, dass die Gesundheitskosten nicht ausufern und Unternehmen im Gesundheitswesen nur das erstatt bekommen, was üblich ist - und nicht das, was sie sich wünschen.

Doch dann kam die Pandemie. Nach dem Motto "Not kennt kein Gebot" hat die Bundesregierung den Ländern Ende 2020 den Auftrag gegeben, innerhalb weniger Wochen Impfzentren aus dem Boden zu stampfen. So sind in Hessen 28 von den Kreisen und Großstädten beauftragte Zentren entstanden, die in den ersten Monaten überwiegend leer standen und jetzt weit davon entfernts sind, Volllast zu fahren. Das hat zwei Gründe: Es gibt dafür immer noch viel zu wenig Impfstoff und die Hausärzte, die von den Regierungen aus dem Impfen herausgehalten werden sollten, setzen inzwischen fast jede zweite Corona-Impfschutzspritze.

Keine Impfbürokratie ohne Kostenkontrolle!

Doch die Impfzentren kosten Geld - ob sie leer oder voll sind. Mit 1,8 Millionen Euro im Monat rechnet das Land, es können aber auch zwei Millionen oder mehr sein. Keiner weiß, wie viel genau sie kosten. Nun rächt sich, dass die Regierungen keine Kostenvorgaben gemacht haben. Niemand ermittelt, welche Durchschnittswerte Impfzentren für Personal, Catering, Reinigung oder Parkplätze haben, um daraus Obergrenzen zu berechnen.

Doch es ist höchste Zeit, über Kostendeckelung für Impfzentren zu sprechen. Denn schon bahnt sich an, dass Impfzentren länger als über diesen Sommer betrieben werden sollen. In der nordrhein-westfälischen CDU wird inzwischen gefordert, Impfzentren dauerhaft beizubehalten. Wohl nicht zufällig der CDU-Landesverband von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn. Man muss kein Prophet sein, um vorherzusagen: Wer eine Impfbürokratie ohne Kostenkontrolle schafft, sorgt dafür, dass an anderer Stelle im Gesundheitssystem der Rotstift umso brutaler angesetzt wird.

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Sendung: hr-iNFO Aktuell, 26.5.2021, 15 bis 18 Uhr

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