Zwei Frauen mit Kopftuch
Bild © picture-alliance/dpa

Eine Konferenz zur Bedeutung des Kopftuchs im Islam an der Frankfurter Goethe-Uni sorgt für Zündstoff: Anonym fordert eine Gruppe den Rauswurf der Organisatorin Susanne Schröter. Die Kampagne solle Druck auf Islamkritiker ausüben, kommentiert Volker Siefert.

Im Namen der Toleranz fordern Unbekannte, die sich als Studierende ausgeben, anonym den Rauswurf einer Professorin, weil sie sich kritisch mit dem Kopftuch auseinandersetzt. Professorin Schröter wird als anti-muslimische Rassistin beschimpft, der man Redeverbot erteilen soll. Der erste Widerspruch dieser Forderung ist offensichtlich: Rauswurf und Redeverbote können per se nur im Namen der Intoleranz und nicht im Namen der Toleranz erfolgen.

Antimuslimischen-Rassismus kann es nicht geben

Der zweite Widerspruch: anti-muslimischen Rassismus kann es gar nicht geben. Es gibt Muslimfeindlichkeit und die gilt es gesellschaftspolitisch zu bekämpfen. Aber Rassismus ist etwas, was an unveränderbare Merkmale wie Hautfarbe oder ethnische Herkunft gekoppelt ist. Religion und Religionszugehörigkeit sind nichts Vorgegebenes - auch wenn dies manche Funktionäre von Religionsgemeinschaften nicht gerne hören mögen. Sie ist von Menschen gemacht. Und wie alles, was von Menschen gemacht ist, veränderbar. Ein Mensch kann aus einer Glaubensgemeinschaft austreten. Wer damit ein Problem hat, hat meines Erachtens Religionsfreiheit nicht verstanden. 

Instrument gegen Islamkritiker

Wer sich genauer mit dem seit etlichen Jahren forcierten Begriff "anti-muslimischer Rassismus" auseinandersetzt, der stellt fest, dass dieser von Islamisten geprägt und gepusht wird - allen voran der türkischen Erdogan-Partei AKP und dem internationalen Islamistennetzwerk der Muslimbruderschaft. Sie predigen den Begriff ihren Anhängern gerade in Europa als Instrument, um den größtmöglichen Druck auf Kritiker islamischer Lebensführungen auszuüben.

Wer Kritik an der politischen Bedeutung des Kopftuchs übt, soll als Rassist diffamiert werden. Deswegen ist es wichtig, auch dieser kleinen, anonymen Gruppe an der Frankfurter Goethe-Uni, die Schröters Rauswurf fordert, nicht auf den Leim zu gehen und ihre Position als das zu ächten, was sie ist: intolerant, totalitär und gegen Meinungsfreiheit gerichtet.

Weitere Informationen

Der Kommentar gibt die Meinung des Autors und nicht die der Redaktion wieder.

Ende der weiteren Informationen

 Sendung: hr-iNFO, 16:30 Uhr

Jetzt im Programm