"Schluss mit Leerstand" steht auf der Wand eines leer stehenden Hauses im Frankfurter Nordend

Viele Geschäfte in Hessens Dorfkernen machen zu, die Bausubstanz verrottet. Um dem entgegenzuwirken, sei die Landesregierung gefragt, meint unser Kommentator. Sie sollte einige komplizierte Förderprogramme streichen und auf leibhaftige Menschen vor Ort setzen.

Gute Politik, sagen kluge Profis, beginnt mit der Betrachtung der Wirklichkeit. Und die sieht beim Thema Innenstädte und Dorfkerne in vielen hessischen Kommunen so aus: Geschäfte, große Ketten, ja ganze Kaufhäuser machen zu, Nachmieter sind nicht so schnell in Sicht.

In den Dörfern verrottet wertvolle und einst schöne Bausubstanz, weil Eigentümer und/oder Bürgermeister nicht wissen, was sie damit tun sollen. Die Folge sind verödende Innenbereiche, zugeklebte Schaufenster und bröckelnde Häuser.

Bürgermeister sind überfordert

Die gute Nachricht ist: Das ist so offensichtlich geworden, dass es mehr und mehr Aufmerksamkeit erregt. Die schlechte Nachricht ist: Es mangelt an Kapazitäten und Professionalität, die Situation zu verbessern.

In Kleinstädten und Dörfern sind die Bürgermeister mit der Aufgabe überfordert. Langwierige Verhandlungen mit Eigentümern, Erben-Gemeinschaften und Geschäftsinhabern – das ist für sie nicht zu schaffen. Reichere Kommunen leisten sich Innenstadt-Manager, Kümmerer für den Immobilienbestand. Ärmere können das nicht.

Leibhaftige Ansprechpartner statt komplizierter Förderprogramme

Also müsste mal Hilfe her. Mein Vorschlag: Die Landesregierung streicht mal ein paar komplizierte Förderprogramme für den ländlichen Raum, deren bürokratischer Aufwand sowieso verhindert, dass das Geld wirklich abgerufen wird. Stattdessen finanziert sie kleineren, ärmeren Kommunen die Fortbildung und Anstellung von Mitarbeitern, die dann mit Köpfchen und Kompetenz den Kampf gegen den Leerstand aufnehmen.

Geld für Profis, die mit den Betroffenen reden, diskutieren, Lösungsmöglichkeiten entwickeln. Zugegeben – das wäre dann kein Förderbescheid, den ein Entsandter aus Wiesbaden medienwirksam überbringt. Aber es wären leibhaftige Menschen, die als Ansprechpartner direkt im Ort sind. Daran mangelt es nämlich eklatant – jedenfalls ist das ein zentraler Aspekt bei der Betrachtung der Wirklichkeit. Und damit fängt ja gute Politik immer an.

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Der Kommentar spiegelt die Meinung der Autorin und nicht die der Redaktion wider.

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Sendung: hr-iNFO Aktuell, 20.11.2020, 6-9 Uhr

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