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In den sozialen Netzwerken sorgen Videos eines Polizeieinsatzes in Frankfurt für Aufregung, auf denen zu erkennen ist, wie eine bereits am Boden liegende Person von Polizisten getreten wird. Die Polizei bestätigte zwischenzeitlich Ermittlungen gegen einen Beamten. Und doch finden sich einige, die das Verhalten der Beamten gutheißen.

Für mich ist es ganz klar: Wer einen am Boden fixierten Menschen tritt, der sich nicht verteidigen kann, der sollte seine Eignung für den Polizeiberuf überdenken. Für das Verhalten, das man auf dem Video vom Wochenende erkennt, gibt es keine Rechtfertigung.

Denn Polizisten haben besondere Befugnisse, aber eben auch eine besondere Verantwortung. Sie haben eine Vorbildfunktion. Mit welcher Glaubwürdigkeit können Polizistinnen und Polizisten denn noch Gewalttäter verfolgen und verhaften, wenn sie selbst zu solchen werden?

Keine Rechtfertigung

Wer jetzt in den sozialen Medien versucht, das Verhalten zu rechtfertigen und damit zu begründen, dass der Festgenommene sich der Festnahme widersetzt haben und die Polizisten bespuckt haben soll, oder damit, dass das eine normale Reaktion auf steigende Übergriffe gegen Polizeibeamte sei, der unterliegt einem Denkfehler.

Videobeitrag

Video

zum hessenschau.de Video Video zeigt Tritte gegen Festgenommenen

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Ende des Videobeitrags

Natürlich: Übergriffe auf Polizisten und Rettungskräfte können wir als Gesellschaft keinesfalls dulden. Beamte brauchen gesellschaftlichen und politischen Rückhalt – und Übergriffe auf sie müssen konsequent im Rahmen des Rechtstaates verfolgt und bestraft werden. Aber hier geht es um etwas anderes: Denn wenn wiederholtes Fehlverhalten eine heftige Überreaktion rechtfertigt, Übergriffe durch Polizisten mit Vorbildfunktion rechtfertigt, warum sollte das dann nicht auch für alle "Normalos" gelten?

Die Rechtfertigung funktioniert auch umgekehrt

Genau diese Argumentation machen sich Menschen zu eigen, die ihre Angriffe auf Polizei und Rettungskräfte damit begründen, dass sie jahrelang "Racial Profiling", Übergriffen und Demütigungen durch Polizeibeamte ausgesetzt waren.

Für mich ist ganz klar: Gewalt ist nicht der Ausweg. Eine Spirale der Eskalation muss durchbrochen werden. Kühle Köpfe sind gefragt, nicht Menschen, die Gräben ziehen oder sie verursachen. Das gilt für ausgebildete, trainierte Polizistinnen und Polizisten. Aber es gilt auch jetzt in der Diskussion. Denn: Die Welt besteht nicht nur aus schwarz und weiß, sondern eben auch aus vielen Grautönen.

Konsequent ermitteln

Auf dem Video aus Frankfurt ist immerhin auch zu sehen, wie einige Beamte eingreifen und einen Kollegen daran hindern, möglicherweise noch weiter zuzutreten. Und viele Polizistinnen und Polizisten arbeiten täglich gewissenhaft – menschlich als wirkliche Freunde und Helfer.

Das Vertrauen in die Polizei darf jetzt nicht weiter erschüttert werden. Dass der hessische Innenminister Peter Beuth das Verhalten des Polizeibeamten als inakzeptabel bezeichnet, ist richtig und wichtig. Dass es gemeldet wurde ebenso. Auf einem weiteren, mittlerweile aufgetauchten Video sieht es aber so aus, als ob auch weitere Beamte unnötig Gewalt angewendet haben. Jetzt gilt es, konsequent zu ermitteln und entsprechende Schlüsse zu ziehen, ohne falsche Rechtfertigungen.

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Sendung: hr-iNFO Aktuell, 18.8.2020, 15 bis 18 Uhr

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